Luftfahrtmesse in Moskau: "Lass sie doch kommen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Luftfahrtmesse in Moskau "Lass sie doch kommen"

Mit großem Aufwand zelebriert Russland auf der Luftfahrt- und Weltraummesse MAKS seinen Wiederaufstieg als Weltmacht in der zivilen Luftfahrt. Die Konkurrenz gibt sich derweil demonstrativ gelassen - und beschwert sich über die schlechte Organisation.
Von Simone Schlindwein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Moskau – Zur Eröffnung der Messe breitet Wladimir Putin die Arme aus. Die MAKS werde nicht nur die besten Leistungen russischer Forschung zeigen, sondern auch zur internationalen Zusammenarbeit beitragen, sagte Russlands Präsident in seiner Eröffnungsrede. Doch schnell wurde deutlich, was sich Putin unter Zusammenarbeit vorstellt: die Unterstützung nämlich für Russlands Bestrebungen, auch auf dem privaten Flugzeugmarkt wieder zur Weltmacht aufzusteigen.

Russland sei dabei, mit der neuen Vereinigten Luftfahrtholding OAK künftig wieder international wettbewerbsfähige Passagier- und Transportflugzeuge zu produzieren, sagte Putin. Bei der Herstellung von Kampfflugzeugen und Technik für die Luftstreitkräfte sei das Land schon heute führend.

Die Ziele sind ambitioniert. 431 neue Passagierjets will OAK unter der Führung von Alexej Fjodorow bis 2012 verkaufen. Entsprechend aufwendig präsentiert die OAK-Tochter Suchoj ihre neueste Kreation: den Superjet 100 mit 95 extrabreiten Ledersitzen, neuer Komfortausstattung und mehr Beinfreiheit, als je ein russisches Flugzeug hatte.

Die Konkurrenten von Suchoj bei den Regionalfliegern - der brasilianische Flugzeugbauer Embrear und Bombardier aus Kanada - stellen in der Halle nebenan nicht einmal auf einem Viertel der Fläche ihrer Angebote aus. An Selbstbewusstsein fehlt es ihnen trotzdem nicht. Mit unverhohlener Häme kommentieren sie die Bemühungen des russischen Emporkömmlings, der ihnen Marktanteile streitig zu machen versucht: "Die fliegen nicht einmal und klopfen schon große Sprüche", sagt Marc Duschesne, PR-Manager von Bombardier. "Wir haben schon 1400 Flugzeuge oben und verkaufen sogar an russische Fluglinien."

"Würden Sie in ein billiges Flugzeug steigen?"

Die Brasilianer am Stand von Embrear, die erst vor sechs Wochen 30 Regionalflugzeuge an die Lufthansa verkauft haben, sind nur unwesentlich charmanter: "Lasst sie doch kommen, die müssen sich ja erst einmal beweisen. Wir haben schon 650 Flugzeuge verkauft, das machen die uns so schnell nicht nach", sagt Embraer-Vertreter Richard Lurgis. Das Argument des Suchoj-Managers Viktor Subbotin, die russischen Jets seien billiger, kontert er gelassen: "Würden Sie in ein billiges Flugzeug steigen?"

Zwar gibt es Anzeichen von Kooperationsbereitschaft, wie etwa die Vereinbarung zwischen der europäischen Weltraumbehörde Esa und ihrem russischen Pendant Roskosmos über den Bau eines gemeinsamen Raumfahrzeuges für Flüge um die Erde, zum Mond und zum Mars. Doch insgesamt stehen die ausländischen Aussteller den Russen eher mit kühler Distanz gegenüber. "Was die Russen da draußen auffahren, sieht eher aus wie billige Jahrmarktattraktionen", meint ein Vertreter eines prominenten europäischen Ausstellers.

Dann beschwert sich der Mann, der namentlich nicht genannt werden will, über die chaotische Organisation. "Nicht einmal Klimaanlagen haben die Russen in den Messehallen, da kann man doch keine Verträge abschließen." Der Vergleich mit der französischen Luft- und Raumfahrtmesse in Le Bourget, der in Moskau so gern bemüht wird, sei einfach grotesk.

Rekordzahl an Ausstellern

Die nackten Zahlen strafen die Kritiker jedoch Lügen: So bestellte zum Beispiel die russische Fluggesellschaft Aeroflot 22 Langstreckenjets vom Typ A 350 bei Airbus und 22 Dreamliner 787 bei Boeing. Wie russische Medien berichteten, erhielt Aeroflot für die 44 Maschinen einen Rabatt von rund 1,2 Milliarden Dollar (889,8 Millionen Euro) und zahlt nun insgesamt 5,8 Milliarden Dollar.

Auch für die Aussteller scheint die MAKS so attraktiv zu sein wie nie zuvor: Ihre Zahl hat sich in diesem Jahr verdoppelt. 800 Unternehmen aus 39 Länder sind vertreten, darunter 30 deutsche Firmen. Zwischen schwarz-rot-goldenen Bannern mit der Aufschrift "Made in Germany" reihen sich Firmen wie Liebherr, der Satellitenhersteller OHB-Bremen, Lufthansa, Siemens und Sennheiser. Der russische Markt sei attraktiv, sagt Dietmar Schrick, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Kooperationsaussichten in Russland seien vielversprechend.

Prominent vertreten sind auch Raketenhersteller aus China und Indien. Während sich die Chinesen als zukünftige Raumfahrt-Nation präsentieren, zeigen die Inder die Errungenschaften ihrer Rüstungskonzerne. Während der Ausstellung sind zahlreiche Flugshows und die Demonstration von Waffensystemen geplant.

Mehr lesen über