Luftfahrttourismus: Space-Bus für Besserverdienende - DER SPIEGEL
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Luftfahrttourismus Space-Bus für Besserverdienende

Es ist der Geheimtipp auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget: In einem unscheinbaren Zelt präsentiert die EADS-Tochter Astrium die Kabine, in der sie Touristen bald ins All schießen will.
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Le Bourget - Wenn jemand 150.000 Euro für einen dreiminütigen Ausflug ausgibt, dann muss man ihm schon was bieten. Nicht nur aufregend, sondern auch ein bisschen schick soll es sein. Wer künftig als Weltraumtourist mit der EADS-Tochter Astrium reist, auf den wartet deshalb nicht die Holzklasse - er saust im angenehm gepolsterten, leuchtend gelben Designer-Schalensitzen ins All. Auch wenn er den Rest der stylischen Kabine - die der Industrie-Designer-Guru Marc Newson kreierte - wahrscheinlich mit einem Schlag vergessen wird: Denn das Flugzeug startet in zwölf Kilometern Höhe den Raketenantrieb und schießt mit dreifacher Schallgeschwindigkeit fast senkrecht in die Höhe.

Die unglaubliche Beschleunigung wird den vier Reisenden sicher in den Magen fahren: sie katapultiert den Space-Bus in 100 Kilometer Höhe. Ins Weltall. Dort warten einige Minuten schwereloses Schweben, und ein Blick auf Erdkrümmung und Sterne. Noch bedarf es allerdings ein wenig Phantasie, um sich dieses Abenteuer im dunklen, vollkommen versteckt liegenden Zelt auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget richtig vorzustellen. Keine Großleinwände mit beeindruckenden Simulationen, keine spacige Musik, nicht mal ein an die Wände projizierter Sternenhimmel. Nur drei Globen. Und eben die Kabine der Rakete - von der nicht klar war, ob sie bis zur Messe fertig würde.

Trotzdem: Das unscheinbare Zelt beherbergt eines der zentralen Projekte des Konzerns. Inzwischen glauben nicht mehr nur schräge Milliardäre wie der Airline-Besitzer Richard Branson, dass sich mit Weltraumtourismus in Zukunft Geld verdienen lässt. Auch die eigentlich kreuzsolide EADS  -Tochter will das Geschäftsfeld der Zukunft erobern. Ab 2008 soll die Entwicklung losgehen, 2012 könnten die ersten Testflüge stattfinden, verkündete das Unternehmen vor einer Woche. Ausgetüftelt werde der Flieger in Ottobrunn, Bremen und Südfrankreich. Erste Windkanalversuche seien sehr gut verlaufen, heißt es.

Kosten: Bis zu einer Milliarde Euro

In Le Bourget ist die schicke Kabine des Fliegers zum Anziehungspunkt geworden, hier erfährt man immer neue Einzelheiten über das Projekt. Die Triebwerke sollen mit einer Mischung aus flüssigem Methan und Sauerstoff gezündet werden, heißt es auf der Messe außerdem. Die neue Technologie wurde im Astriumstandort in Lampoldshausen sogar schon erfolgreich in einem anderen Triebwerk getestet, erklärt Astrium-PR-Direktor Mathias Spude SPIEGEL ONLINE. Trotzdem sei der Motor ein "kritischer Punkt", gesteht er ein. Und ebenso die Frage, wie der Sinkflug nach erfolgreicher Weltraummission technisch machbar wird.

Vor allem aber müssen erst einmal Gelder für die Entwicklungsarbeiten gefunden werden, die nach jetzigen Berechnungen bis zu eine Milliarde Euro verschlingen werden. Weil es sich um ein kommerzielles Projekt handelt, sollen private Investoren und Risikokapitalgeber den Löwenanteil zuschießen. "Aber auch zu Regionalgeldern werden wir nicht Nein sagen", sagt Spude. Weil viel in Ottobrunn entwickelt werden soll, spreche man über dieses Thema gerade mit der bayerischen Landesregierung.

In Le Bourget interessieren solche weltlichen Probleme allerdings wenig. Hier wird vor der Raketenfliegerkabine mit glänzenden Augen diskutiert, als stünde der Jungfernflug schon unmittelbar bevor. "Da steckt etwas von einem Traum dahinter", schwärmt etwa der stellvertretende Astrium-Chef-Konstrukteur, Hugues Laporte-Weywada. Designer Newson klettert mit Plastiktütchen über den Schuhen in sein Modell und lässt sich fotografieren. Auch über seinen Entwurf plaudert er gern ein bisschen: Das Gelb etwa habe er gewählt, weil es "sehr fröhlich und hell sei", aber eben auch, weil es eine weit verbreitete Signalfarbe im Flugzeugbau ist. Dann erklärt er die Ausrichtung der Sitze, die nicht zum Cockpit sondern zu den Bullaugen zeigen: Die Schalen müssen sich nach der Raketenzündung zur Seite neigen, um die Beschleunigung auszugleichen.

"Junge Ingenieure herumspinnen lassen"

Auch die Geschichte rund um die Erfindung des Raketenflugzeugs wird immer wieder gerne erzählt: Die Idee hätten fünf Nachwuchsingenieure im Rahmen einer Fortentwicklungsmaßnahme im Konzern gehabt, berichtet Laporte-Weywada neben den Globussen. PR-Mann Spude fügt hinzu: "Das kommt heraus, wenn man junge Ingenieure herumspinnen lässt."

Die hatten die Ideen für eine Tourismus-Rakete natürlich bei weitem nicht als erste. Während von dem Astrium-Flieger bisher eigentlich nur die Kabine fertig ist, absolvierte das Raumfahrzeug "Space Ship One" schon 2004 den ersten Testflug. Gerade wird an der zweiten Version gebastelt, für die Milliardär Branson sogar schon einen Weltraumflughafen in New Mexico baut. Von dort sollen die Maschinen ab 2009 starten.

Dieser Startvorteil bringt bei Astrium jedoch niemanden aus der Ruhe. Einer Marktanalyse des Unternehmens zufolge besteht 2020 ein Marktpotential von 15.000 Kunden. Da ist durchaus Platz für mehrere Weltraum-Airlines und Space-Ship-Produzenten. Außerdem hätte der Astrium-Flieger im Gegensatz zum "Space Ship Two" einen entscheidenden Vorteil: Es muss nicht von einem Trägerflugzeug in die Lüfte getragen werden, um von dort in den Weltraum zu starten. "Zum einen ist das sehr viel sicherer, denn dieser Abkopplungsprozess ist hochkompliziert", sagt Spude. Zum anderen könnte der Flieger der EADS-Tochter theoretisch von jedem Flughafen aus starten.

Auf der Anzeigentafel in Fuhlsbüttel könnte das dann so aussehen: 12.25: Hamburg, 12.35 Uhr: Weltall.

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