Lufthansa 43 Flieger in der Wüste geparkt
Peking - Den Gewerkschaften hat Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber mit Kurzarbeit und Entlassungen für den Fall gedroht, dass sich die Tarifparteien nicht bis Mitte November auf eine Reduzierung der Arbeitszeit bei entsprechendem Lohnverzicht einigen. Seine Gesellschaft transportiere seit dem 11. September täglich rund 30.000 Passagiere weniger als vorher. Die Absicht der Bundesregierung, Geld für Sicherheitsgarantien bei Unglücken zu verlangen, die durch Kriegseinwirkung verursacht werden, nannte er "skandalös".
Weber beschrieb die Lage im internationalen Luftverkehr am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Peking mit den Worten: "Es ist sehr dramatisch." Die Lufthansa habe Einnahmeverluste von 20 Millionen Mark täglich. Bereits 43 Flugzeuge habe die Lufthansa stillgelegt und in einer Wüste im Südwesten der USA abgestellt. Dem Rückgang bei der Nachfrage begegne Lufthansa mit einem Drei-Stufen-Plan. Die erste Stufe werde bereits praktiziert und umfasst nach Angaben Webers Urlaubsabbau und Einstellungsstopps.
Das reiche aber nicht; es müsse eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnverzicht folgen, sagte der Lufthansa-Chef und wiederholte seinen Vorschlag, den Rückgang um 20 Prozent bei den Verkehrsleistungen mit einer Verringerung der Arbeitszeit um 20 Prozent auszugleichen: "Das entspricht genau dem fünften Tag" der Woche, sagte er. Die Gewerkschaften Cockpit und Verdi müssten sich darauf mit den Arbeitgebern "in wenigen Tagen", also bis etwa Mitte November einigen, verlangte Weber. Sonst müsse die dritte Stufe in Kraft treten: "Kurzarbeit und Entlassungen."
Weber fordert Gratis-Staatsgarantien
Das Thema Staatsgarantien für die nach den Terroranschlägen von den Versicherungen aufgekündigten Risiken bei Kriegseinwirkung sei "noch nicht gelöst", so Weber. Es sei skandalös, dass die Bundesregierung verlange, dass "wir dafür bezahlen müssen". Es entstünden überhaupt keine Kosten, solange der Schadensfall nicht eintrete. Fluggesellschaften in anderen Staaten sei diese Garantie umsonst gegeben worden. Als Schuldigen der Forderung, für eine Versicherungsleistung auch noch Geld zu verlangen, machte Weber das Finanzministerium aus.
In den ersten Tagen unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September, als der Luftraum über den Vereinigten Staaten gesperrt war, sei der Lufthansa ein Schaden von rund 180 Millionen Mark entstanden, sagte Weber. Damals konnten keine Nordatlantikflüge mehr starten, und mehrere Jets, darunter auch jene der Lufthansa, wurden für einige Tage in Nordamerika am Boden festgehalten.
Er erwarte, dass dieser Ausfall vom Staat erstattet werde, sagte Weber, der die Forderung an die Bundesregierung richtete. Brüssel habe bereits signalisiert, dass das nicht als Subvention gelte, sondern erlaubt sei, wenn der Schaden im Einzelfall nachgewiesen werden könne. Weber verlangte eine zügige Erstattung und verwies darauf, dass die USA bereits vorab entsprechenden Zahlungen an ihre Unternehmen geleistet hätten.