Lufthansa-Aktionäre "Piloten haben ihre Macht missbraucht"
Köln - Die Sprecher der großen Kleinaktionärs-Verbände lobten Weber dafür, den Konzern entgegen der zunehmend schwierigen Konjunkturlage auf der Gewinnstraße gehalten zu haben. Weber bekräftigte die Absicht, mögliche Effizienzsteigerungen in allen Firmenbereichen prüfen zu wollen. Abschiebungsgegner störten derweil die Hauptversammlung mehrfach durch lautstarke Proteste, konnten entgegen ihrer Ankündigung die Internetseite der Lufthansa aber nicht lahm legen.
Die Lufthansa hatte jüngst ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr unter anderem auf Grund des Tarifabschlusses für ihre Piloten sowie der weltweiten Konjunkturabschwächung um 25 bis 30 Prozent auf 700 bis 750 Millionen Euro zurückgeschraubt. "Eine Gewinnwarnung auszusprechen, ist ein unerfreulicher Schritt", sagte Weber. Allerdings habe der Konzern mit der reduzierten Einschätzung "nicht tiefgestapelt", sondern eine "realistische Prognose" des weiteren Geschäftsverlaufs abgegeben.
Das Unternehmen sei richtig positioniert, "wirtschaftlich gesund" und nehme nach wie vor eine internationale Spitzenstellung ein. Auf Grund der weltwirtschaftlichen Entwicklung würden nun die Prozesse und Verfahren aller Sparten überprüft und notfalls Veränderungen vorgenommen. Es würden Maßnahmen und Strategien entwickelt, um die Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft der Lufthansa trotz eines nunmehr deutlich steigenden Kostendrucks weiter zu stärken. Details zu dem geplanten Programm nannte Weber nicht.
Zahlreiche Aktionäre waren mit dem Aktienkurs der Lufthansa und auch mit Unternehmenspolitik unzufrieden, eine "Generalabrechnung" oder deutliche Schelte für die Gewinnwarnung blieb jedoch aus. "Unser Kapitän - und ich betone ausdrücklich: nicht unsere Piloten - hat unsere Maschine auf Kurs gehalten", sagte Axel Zülke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre an Webers Adresse.
"Unser Kapitän hat unsere Maschine auf Kurs gehalten"
Auch andere Kleinaktionärs-Sprecher lobten die Arbeit der Lufthansa-Führung und verwiesen darauf, dass auch die reduzierte Gewinnprognose für dieses Jahr ein deutliches operatives Ergebnis vorhersage. Die Piloten hätten dagegen mit ihren Streiks zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen ihre Macht missbraucht und sich nicht solidarisch gezeigt. Das Verhalten der Piloten und der schwache Kursverlauf der Aktie sorgte auch bei den rund 4000 anwesenden Aktionären für viel Unmut. Dabei teilten die Aktionäre nicht immer das Urteil der Verbandssprecher und machten teils auch Weber für das Tarifergebnis verantwortlich.
Weber selbst übte Kritik am Verhalten der Piloten-Vereinigung Cockpit, die zur Durchsetzung ihrer Forderungen mehrfach gestreikt und damit den Lufthansa-Flugverkehr größtenteils lahm gelegt hatte. "Mir hat die Unerbittlichkeit, mit der hier ohne Rücksicht auf andere Beschäftigtengruppen agiert wurde, sehr zu denken gegeben", sagte Weber. Die Lufthansa hatte die Tarifanhebungen sowie die Streikkosten, die nach Konzernangaben zusammengerechnet mit rund 400 Millionen Mark zu Buche schlagen, als einen Hauptgrund für die Gewinnwarnung angeführt. Die nach der verringerten Prognose stark unter Druck geratene Lufthansa-Aktie gab am Mittwoch in einem schwachen Gesamtmarkt rund drei Prozent auf 18,85 Euro nach.
Weber forderte zugleich dazu auf, die Luftverkehrsinfrastruktur in Deutschland der wachsenden Zahl von Flügen anzupassen. So müsse die neue Startbahn auf dem Frankfurter Flughafen wie geplant 2006 ebenso kommen wie der Neubau eines internationalen Flughafens in Berlin. Der Deutschen Flugsicherung (DFS) warf Weber vor, dem durch den wachsenden Flugverkehr zunehmenden Lotsenbedarf nicht hinreichend gerecht zu werden, was die Flugverspätungen deutlich erhöhe.
Lautstarke Proteste von Abschiebungsgegnern
Wie bereits im vergangenen Jahr störten mehrere Abschiebungsgegner die Lufthansa-Hauptversammlung durch Proteste gegen das Ausfliegen abgelehnter Asylbewerber. Binnen der ersten Stunde nach Beginn des Aktionärstreffens musste die Veranstaltung mehrfach unterbrochen werden, bis die laut Protestierenden von Ordnern aus dem Saal geführt wurden.
Vor dem Gebäude der Hauptversammlung demonstrierten am Vormittag rund 50 Mitglieder der Menschenrechtsgruppe "Kein Mensch ist illegal". Eine von den Protestgruppen initiierte "Online-Demonstration", bei der die Lufthansa-Internetseiten durch massenweises Anklicken lahm gelegt werden sollten, schlug indes fehl. Nach Angaben sowohl der Veranstalter als auch der Lufthansa waren die Internetseiten der Gesellschaft weiterhin erreichbar.