Lufthansa-Arbeitskampf: Streik trifft erste Langstrecken-Passagiere - DER SPIEGEL
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Lufthansa-Arbeitskampf Streik trifft erste Langstrecken-Passagiere

Der Ver.di-Arbeitskampf bei der Lufthansa zeigt Wirkung: 70 Verbindungen wurden gestrichen, erste Behinderungen treten jetzt auch im Langstreckenverkehr auf. Der Grund: Die Maschinen werden nicht mehr gewartet.
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München/Frankfurt am Main - Am ersten Streiktag gestern sah es noch so aus, als tobe der Arbeitskampf bei der Lufthansa nur hinter den Kulissen: Passagiere checkten ohne Probleme ein, nur sehr wenige Flüge wurden gestrichen. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Jetzt führt der unbefristete Streik bei der Lufthansa zu ersten Ausfällen. Am heutigen Dienstag will die Airline rund 70 Verbindungen aus dem Flugplan streichen.

In München musste die Lufthansa bis 12.30 Uhr zehn Flüge wegen des Techniker-Streiks streichen. Auch Fluggast Frank Lubczyk, der nach Hannover will, wurde auf einen deutlich späteren Flug umgebucht. "Da ich aus Würzburg angereist bin, wäre ich mit dem Zug schneller gewesen", schimpft er auf dem Weg zum Check-in.

Lubczyk kritisiert vor allem die Informationspolitik der Lufthansa. "Man hätte mich als registriertem Business-Kunden ruhig per SMS über den Flugausfall informieren können", sagt der Geschäftsreisende. Es sei ärgerlich, dass er seine Termine in Wolfsburg nun nicht mehr wahrnehmen könne. "Der Tag ist gegessen." Generell habe er aber Verständnis für die Forderungen der Gewerkschaft. "Nach den Nullrunden und dem Profit des Unternehmens ist das gerechtfertigt. Ver.di soll Gas geben", sagt er, bevor er sich wieder in die Schlange einreiht.

Die Wartezeiten sind am heutigen Dienstag deutlich länger als noch am Vortag. Doch insgesamt verlaufe der Verkehr überwiegend nach Plan, teilte das Unternehmen mit. "Die Situation an den Flughäfen ist aus unserer Sicht geordnet und nicht chaotisch", sagte Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky. Die von Ausfällen betroffenen Passagiere würden umgebucht.

Der Konzern betonte zudem, es würden keine Interkontinentalflüge gestrichen. Dennoch sind zumindest in München auch Übersee-Reisende von dem Ausstand betroffen. So etwa Xaver Grasmeir. Der 17-Jährige wollte um 11.25 Uhr nach New York fliegen. Jetzt steht er in der Warteschleife am Check-in und schiebt seinen Koffer vor sich her. "Wegen des Streiks muss ich über Charlotte fliegen und dort fünf Stunden warten." Statt eines Jumbos fliegt nun eine kleinere Maschine nach New York. Daher müssen laut einer Lufthansa-Mitarbeiterin neben Grasmeier die Hälfte der mehreren Hundert Passagiere umgebucht werden. Obwohl der Bayer voraussichtlich bis zu 12 Stunden später in New York ankommen wird, hat auch er Verständnis für Ver.di. "Für mich ist der Streik zwar blöd, aber es ist klar, dass die Mitarbeiter mehr Geld wollen", sagt er.

Zwei US-Urlauber in kurzen Shorts poltern dagegen, dass es "in Amerika einen Arbeitskampf mitten im Sommer nicht geben dürfe". Und auch Daniela Wright ist auf Ver.di nicht gut zu sprechen. "Bei diesem Angebot brauchen sie nicht zu streiken", sagt die junge Blondine, die zum Shoppen in die USA fliegt. "Nur, weil ich Business-Kundin bin, habe ich noch einen Platz auf dem Flieger bekommen."

Bei Frank Riegler, Leiter des Fachbereichs Verkehr bei Ver.di Bayern, ist die Laune deutlich besser als gestern. Kein Wunder, für die Gewerkschaft sind die 70 Ausfälle ein erster Erfolg, nachdem der Arbeitskampf am gestrigen Montag eher verhalten anlief. Die Gewerkschaft hatte den Arbeitskampf an ihrem zweiten Streiktag ausgeweitet. Betroffen sind neben Frankfurt und Hamburg auch Berlin und eben München. Am Abend soll auch Stuttgart einbezogen werden.

"Es ist, wie wir vorhergesagt haben. Schritt für Schritt zeigen sich die Erfolge", schwärmt Riegler. Da die von Air Berlin ausgeliehenen Techniker keine Jumbos warten könnten, werde die Lufthansa zunehmend auch bei den Atlantik-Flügen Probleme bekommen, ist der Gewerkschafter überzeugt.

Bei der Lufthansa sieht man das offenbar ähnlich. Konzernsprecher Klaus Walther forderte die Arbeitnehmervertreter auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Das Angebot liegt auf dem Tisch und Verhandlungen sind aus unserer Sicht jederzeit und sofort möglich. Unsere Türen sind offen. Wir sind dialogbereit", sagte Walther dem Nachrichtensender N-TV.

Mit Material von Reuters und dpa

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