Lufthansa: "Deportation Class" sorgt für Tumulte - DER SPIEGEL
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Lufthansa "Deportation Class" sorgt für Tumulte

Proteste gegen das Ausfliegen abgeschobener Flüchtlinge haben den Beginn der Lufthansa-Hauptversammlung durcheinander gebracht. Demonstranten unterbrachen eine Rede des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schlede mit Zwischenrufen wie "Kein Mensch ist illegal".
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Berlin - Die Protestler wurden nach kurzem Gerangel von Ordnungskräften aus dem mit etwa 4500 Aktionären gefüllten Saal gedrängt. Kurz darauf schafften es einige Demonstranten, nochmals in den Versammlungsraum zu gelangen. Lufthansa-Chef Jürgen Weber musste seine Rede mehrmals unterbrechen.

Verschiedene Menschenrechtsgruppen werfen der Lufthansa vor, abgelehnte Asylbewerber gegen deren Widerstand in ihre Heimatländer zurückzufliegen. Mit der Aufschrift "Deportation Class" waren unlängst sogar gefälschte Flugtickets in Umlauf gebracht worden. In diesem Zusammenhang hat der Dachverband der Kritischen Aktionäre die Aktionäre der Gesellschaft aufgefordert, Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung nicht zu entlasten.

Viele Flüchtlinge würden "unter Anwendung physischer Gewalt" ausgeflogen, wobei sei es sogar zu Todesfällen gekommen sei. Der Gegenantrag wurde abgelehnt. Das Gros der Aktionäre reagierte mit Rufen wie "Abwerfen" oder "Raus hier" ablehnend auf die Protestaktion.

Lufthansa-Chef Weber wies die "blindwütigen Angriffe" und die Unterstellung der "Geschäftemacherei" mit Flüchtlingen entschieden zurück. Die Gesellschaft stehe zu ihrer gesetzlichen Beförderungpflicht, nehme aber allein schon aus Sicherheitsgründen niemanden gegen seinen Willen mit.

"Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet", erklärte Konzernsprecher Klaus Walther nach der Hauptversammlung das Dilemma der Lufthansa. Nur eine sehr kleiner Anteil der Asylbewerber weigere sich aber, heimgeflogen zu werden. In diesen Fällen könnten die Flugkapitäne entscheiden, die widerwilligen Passagiere nicht mitzunehmen. Auch nehme die Lufthansa mit den jährlich etwa 10.000 abgeschoben Personen so gut wie gar nichts ein, fügte Walther hinzu.

Peter Wübben