Lufthansa: Die Piloten sind streikmüde - DER SPIEGEL
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Lufthansa Die Piloten sind streikmüde

Seit Mitternacht haben die Lufthansa-Piloten schon über 300 Flüge ausfallen lassen. Doch die Streikfront bröckelt. Noch einen Streik werde es nicht geben, sagen die Piloten.
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Frankfurt am Main - Noch während der dritte Streik in vollem Gange ist, hat die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) angekündigt, dass der Arbeitskampf vermutlich nicht verlängert werde. Ab Freitag werde wieder normal gearbeitet. Signale für neue Gespräche mit der Lufthansa gäbe es jedoch noch nicht.

Um Mitternacht haben die Piloten ihren dritten Streik begonnen und bereits für erhebliche Behinderungen gesorgt. Bis neun Uhr wurden 330 Verbindungen gestrichen, teilte Lufthansa-Sprecher Markus Rüdiger mit. Die Lage an den Flughäfen war den Angaben zufolge ruhig. Die meisten Reisenden seien von dem Streik informiert gewesen und hätten rechtzeitig umgebucht. Der Frankfurter Flughafensprecher sagte, die Situation sei "fast schon zur Routine" geworden.

Allerdings seien längst nicht mehr alle Piloten mit Feuereifer dabei, teilte die Fluggesellschaft mit. "Der Notflugplan ist deutlich umfangreicher als am vergangenen Donnerstag. Dies deutet darauf hin, dass die Streikfront anfängt zu bröckeln", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.

Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther unterstrich im ZDF-Morgenmagazin die Verhandlungsbereitschaft des Unternehmens, kündigte aber gleichzeitig eine harte Haltung an. "Wenn wir unsere Wettbewerbsposition durch zu hohe Personalkosten gefährden, dann hat das langfristig dramatischer Auswirkungen für die Lufthansa".

Dazu meinte ein Cockpit-Sprecher: "Die Wettbewerber halten deutlich höhere Kosten aus". Die Personalkosten des Unternehmens würden nach den Cockpit-Forderungen um etwa 4,2 Prozent steigen. "Miteinander reden hat immer Sinn, aber es muss Bewegung reinkommen von der Lufthansa."

Die Fluggesellschaft will trotz des Streiks mindestens 140 Maschinen starten lassen, davon mehr als 20 nach Übersee. In Deutschland sollen Zubringer von Hamburg, Berlin und München nach Frankfurt pendeln. Reisenden auf innerdeutschen Verbindungen wurde - wie schon bei den vorangegangenen Streiks - geraten, auf die Bahn auszuweichen. Sie können mit dem Flugticket in Züge umsteigen. Flüge von Partnergesellschaften (Lufthansa CityLine, Team Lufthansa, Eurowings und der Star Alliance) seien vom Streik nicht betroffen.

Für ihre Kunden haben Lufthansa und die Ferienfluggesellschaft Condor Service-Telefonnummern eingerichtet. Die Lufthansa-Nummer lautet 0800/1009499 und die Condor-Servicenummer 0180/3100380.

Mit dem Ausstand wollen die Piloten die Konzernführung zu einer Erhöhung ihrer Gehälter um 24 Prozent zwingen. Die Tarifgespräche waren am Mittwoch nach viertägigem Verhandlungsmarathon ergebnislos abgebrochen worden.

Cockpit konkretisierte die ursprüngliche Forderung von durchschnittlich mehr als 30 Prozent und verlangt inzwischen zusätzlich zu der linearen Gehaltssteigerung um 24 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr einer Ergebnis abhängigen variablen Vergütung.

Kritik am Streik gab es von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). Der Minister sagte der "Abendzeitung" (München), Tarifautonomie sei ein hohes Gut. Sie habe in Deutschland vor allem deswegen gut funktioniert, weil die Partner stets vernünftige Lösungen angestrebt hätten. "Es wäre gut und wichtig, wenn das auch jetzt in der aktuellen Auseinandersetzung möglich wäre", sagte der Minister.

Beim ersten ganztägigen Pilotenstreik am vergangenen Donnerstag waren mehr als 900 Flüge ausgefallen, rund 114.000 Passagiere waren davon betroffen. Der Lufthansa entstand ein Schaden von 50 Millionen Mark. Der erste Streik am 4. Mai hatte zwölf Stunden gedauert.