Lufthansa-Finanzchef Versicherer sind Raubritter
Frankfurt am Main - Bei der Lufthansa habe man Verständnis für die besondere Lage, "allerdings nicht für den Kündigungsbrief", sagte Kley dem "Handelsblatt". Nach den Anschlägen in den USA hatten Versicherer bestehende Verträge innerhalb von einer Woche aufgekündigt und Terror- sowie Kriegsrisiken für die Flugzeuge nicht mehr mitversichert.
Bei den neuen Policen werde gerade noch ein Vierzigstel der früheren Deckungssumme erreicht, dafür solle die Lufthansa aber Zweieinhalbfache der bisherigen gesamten Flottenpolice zahlen. Die Preise seien "absurd und inakzeptabel", sagte Kley.
Erschwerend käme für die Lufthansa hinzu, kritisierte der Finanzvorstand, dass der Wettbewerber British Airways die Staatsgarantien im Versicherungsstreit unentgeltlich erhalte, während die Bundesregierung von der Lufthansa dagegen "marktübliche Preise" verlange.
Der Lufthansa zufolge gibt es neben Großbritannien auch in den USA, Luxemburg, der Türkei und der Schweiz bereits Zusagen über kostenlose staatliche Garantien. Eine solche Diskriminierung wolle die Lufthansa aber nicht dulden. "Wir haben einen europäischen Markt und brauchen eine europäische Linie," sagte Kley.
Kley erwartet, dass die bisherigen Sicherheitsaufwendungen der Lufthansa in Höhe von 700 Millionen Mark um rund 25 Prozent steigen werden. Zudem sieht der Vorstand für die internationale Luftfahrt in den kommenden Wochen noch keine Belebung. Daher seien weitere Kapazitätsanpassungen nicht auszuschließen.
Bisher ging Lufthansa davon aus, dass 28 Maschinen stillgelegt und größere Maschinen durch kleinere ersetzt werden müssen. Zwar habe sich der Luftverkehr in einigen Bereichen leicht vom Schock der Anschläge erholt, sagte Kley. "Doch die Auslastung auf Strecken in die USA und in den Nahen Osten liegt noch so weit unter Vorjahr, dass wir nicht ausschließen können, weitere Kapazitätsanpassungen vorzunehmen," sagte der Finanzchef.
Am Freitag hatte die Lufthansa angekündigt, auf Grund der nach den Anschlägen kräftig gestiegenen Kosten für Sicherheitsmaßnahmen und Versicherungen ihre Flugpreise zu erhöhen. Zuletzt hatten weltweit Fluglinien mitgeteilt, sie wollten Arbeitsplätze reduzieren sowie Kapazitäten abbauen. Auch die Gewinnaussichten wurden bei einigen Gesellschaften zurückgenommen. Die Lufthansa hatte einen operativen Verlust in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlossen.