Lufthansa-Hauptversammlung Aktionäre lassen Bsirske durchfallen
Köln - In der Einzelabstimmung entfielen nur 41,71 Prozent der abgegebenen Stimmen auf "Ja", teilte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Klaus Schlede, nach der Auszählung mit. Die Mehrheit der Aktionäre schloss sich damit der Kritik an, Bsirske habe mit der Organisation des Streiks im öffentlichen Dienst seine Pflicht als Aufsichtsratsmitglied, dem Wohle des Unternehmens zu dienen, grob verletzt.
Aktionärsschützer hatten Bsirske vorgeworfen, er habe den Interessenkonflikt zu Lasten der Aktionäre entschieden. Hans-Martin Buhlmann, Vorsitzender der Vereinigung Institutioneller Privatanleger, sagte, der Gewerkschafter habe aus persönlichem Machtinteresse der Lufthansa geschadet. Einige Redner hatten in der ungewöhnlich heftigen Debatte sogar Schadenersatzklagen und ein amtliches Abberufungsverfahren gegen den Gewerkschaftschef verlangt.
Bsirske hatte als Gewerkschaftschef während des Arbeitskampfes im Öffentlichen Dienst zu Streiks an den Flughäfen Frankfurt und München aufgerufen. Dadurch waren der Lufthansa nach Angaben des scheidenden Konzernchefs Jürgen Weber Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden.
Juristische Folgen sind mit der Nicht-Entlastung aber nicht verbunden. Den Aufsichtsrat muss Bsirske nicht zwangsläufig verlassen. An einen Rückzug denke er denn auch nicht, sagte ein Sprecher. Schließlich sei er für die Arbeitnehmerseite in das Kontrollgremium gewählt, was die Hauptversammlung nicht aufheben könne.
Bsirske selbst lässt die Vorwürfe eines Interessenkonflikts ohnehin nicht gelten. "Wollte man das, was andernorts entschieden wird, zum Gegenstand eines Interessenkonflikts erheben, dann dürfte kein Vorstand eines Stromversorgers im Aufsichtsrat eines Unternehmens sein, das Strom bezieht."
Weber sieht Talsohle durchschritten
Die Diskussion über Bsirske überlagerte das eigentliche Hauptthema des Aktionärstreffens: den Abschied von Konzernchef Weber, der auf der Hauptversammlung nach zwölf Jahren im Chefsessel das Steuer an seinen Nachfolger Wolfgang Mayrhuber übergab.
In seiner letzten Rede als Vorstandsvorsitzender betonte Weber, die Lufthansa sehe nach den durch Konsumflaute, Irak-Krieg und die Lungenseuche Sars ausgelösten Gewinneinbrüchen der vergangenen Monate einen Silberstreif am Horizont. "Die Talsohle ist durchschritten", erklärte Weber. Allerdings werde nach den Verlusten im ersten Quartal auch im Gesamtjahr wohl kaum ein positives Unternehmensergebnis zu erreichen sein.
Weber betonte, er sei sicher, dass die Lufthansa gestärkt aus der kombinierten Krise von Konjunktur und Weltuntergangsstimmung hervorgehen werde. "Wenn der Trend der letzten Wochen sich weiter verstärkt, denke ich, werden wir auch am Ende dieses Jahres wieder besser dastehen als die meisten unserer Wettbewerber", sagte Weber.
Weber hatte 1991 den Chefsessel der Lufthansa übernommen. Als seine wichtigsten Erfolge gelten die Umwandlung des Konzerns vom Staatsbetrieb in ein profitables Privatunternehmen und die Gründung des weltweit größten Luftfahrt-Bündnisses Star Alliance. Erfolgreich führte der das Unternehmen aus zwei Krisen heraus.
Mayrhuber selbst bekannte sich zur Kontinuität. Das Konzept des Konzerns, der neben dem eigentlichen Flugbetrieb auch die Sparten Technik, Cargo, Catering und IT-Dienstleistungen umfasse, habe sich bewährt.