Lufthansa-Konflikt: "Das Handy immer eingeschaltet" - DER SPIEGEL
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Lufthansa-Konflikt "Das Handy immer eingeschaltet"

Für Jürgen Weber wird es allmählich eng. Am Donnerstag droht erneut ein 50-Millionen-Mark-Streik. Wann knickt der Lufthansa-Chef ein?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Kurs ihrer fliegenden Führungskräfte ist der Lufthansa-Spitze nicht mehr geheuer. Die selbstbewussten Piloten beharren schon länger als drei Monate auf einem kräftigem Gehaltsplus und drohen ungerührt mit neuen Streiks. Diese könnten Europas zweitgrößte Fluggesellschaft erneut Millionen kosten. Vorstandschef Jürgen Weber spricht vom "schwersten Tarifkonflikt in der Geschichte unseres Unternehmens".

Bislang ist der 59-Jährige, der im Herbst sein zehnjähriges Dienstjubiläum auf dem Chefsessel feiert, hart geblieben - wie seine Kapitäne. Er bangt um die Früchte der schwierigen Konzernsanierung in den neunziger Jahren und will hohe langfristige Mehrkosten um fast jeden Preis vermeiden.

Bei den festgefahrenen Tarifverhandlungen gebe es durchaus noch Spielraum auf beiden Seiten, heißt es bei der Pilotengewerkschaft Cockpit. Auch die Lufthansa könne sich bewegen. "Da kommt es auf den Chef an", sagt Cockpit-Sprecher Georg Fongern. Die Piloten verlangen im Schnitt ein Gehaltsplus von mehr als 30 Prozent. Die Lufthansa hat zuletzt ein Plus von durchschnittlich 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern für 2001 angeboten.

Weber: Unverständnis für Piloten

Weber gab sich am Sonntag bei einer Tagung vor Wirtschaftsbossen im Schwarzwald zumindest äußerlich gelassen. Aber bei seinem knappen Kommentar zu den Forderungen der Piloten war Weber die innere Anspannung deutlich anzumerken. "Ich habe ausnahmsweise mein Handy eingeschaltet", sagte er. Denn zeitgleich rangen die Tarifkommissionen beider Seiten weiter um eine Einigung.

Dass die Piloten angesichts zuletzt glänzender Lufthansa-Gewinne nun aus seiner Sicht den Kompromiss der Sanierung wieder in Frage stellten, könne Weber nicht verstehen, berichten Freunde. Vor allem jedoch fürchtet er anschwellende Personalkosten. Bereits das jüngste Lufthansa-Angebot würde Mehrkosten in Höhe von 100 Millionen Mark jährlich verursachen.

Auf der anderen Seite kostet jeder Streiktag 50 Millionen Mark. Noch schlimmer ist die Langzeitwirkung: Die Passagiere sind verunsichert, die Ticketbuchungen rückläufig.

"Intern brodelt es"

Längst hat der Tarifstreit eine dritte Dimension bekommen, die den Zusammenhalt unter den Lufthansa-Mitarbeitern auf die Probe stellt. Unter den 50.000 übrigen Beschäftigten mache sich mehr und mehr Unverständnis über die hochfliegenden Ansprüche der Piloten breit, sagt der Betriebsrat. Dieser Diagnose schließt Weber sich gerne an: "Es fängt intern bereits kräftig an zu brodeln." Ein Abschluss mit den Piloten müsse nach innen verträglich sein, fordert er nun.

Die Piloten weisen die Vorwürfe zurück und lesen aus Webers Äußerungen "nichts Gutes" für den Fortgang der Tarifverhandlungen. Auch Funktionäre der Gewerkschaft Verdi wollten sich mit ähnlicher Kritik an den Piloten profilieren, heißt es bei Cockpit. "Die fühlen sich doch vorgeführt." Denn für Bodenpersonal und Flugbegleiter in den Kabinen habe Verdi vor einigen Wochen nur 3,5 Prozent mehr Gehalt ausgehandelt. Cockpit-Sprecher Fongern will andere Signale vom Bodenpersonal erhalten haben: "Kollegen an den Check-in-Schaltern sagen: Macht weiter so, wir drücken euch die Daumen."

Von Sascha Meyer und Alexander Missal, dpa