Lufthansa: Neunzig-Euro-Offensive gegen Ryanair & Co. - DER SPIEGEL
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Lufthansa Neunzig-Euro-Offensive gegen Ryanair & Co.

Von einer Schar alter und neuer Billigflieger bedrängt, wählt die Lufthansa die Flucht nach vorn. Mit einer neuen Preisstruktur und teils deutlich günstigeren Tarifen will sie mehr Freizeitpassagiere an Bord locken.
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British Airways, die Scandinavian Airlines und KLM sind vorangegangen, die deutsche Nationalairline folgt. Sie reformiert ihr Tarifsystem und will bei Reisen außerhalb der Hauptverkehrszeiten und bei frühen Buchungen künftig zum Teil deutlich günstigere Flüge anbieten als zuvor. Die billigste innerdeutsche Verbindung werde ab dem Winterflugplan lediglich 88 Euro kosten, sagte der zuständige Bereichsvorstand Ralf Teckentrup am Dienstag - sofern der Flug im Internet gebucht wird. Die Billigpreisoffensive, die zunächst nur deutschlandweit rollt, soll später ganz Europa erfassen.

Mit ihren neuen Preisen will die Lufthansa vor allem Freizeit-Passagiere anlocken - also nicht Geschäftsleute oder sonstige Kunden der Business Class. Bisher wählten lediglich sechs Prozent der Freizeit-Klientel eine Flugreise, während 94 Prozent per Bahn oder Auto reisten, sagte Teckentrup. "Hier gibt es deutliche Möglichkeiten, besser zu werden. Wir wollen an Kunden rankommen, die wir heute noch nicht haben."

Wichtigste Anforderung an Passagiere, die vom neuen Lufthansa-Preismodell profitieren wollen: die Flexibilität. Wer früh buche und sich bei den An- und Abflugzeiten kompromissbereit zeige, werde honoriert, erklärte Teckentrup. Zusätzlichen Rabatt soll es für die Buchung via Internet geben.

Mit Ausnahme der Strecke Frankfurt-Berlin seien keine Bedingungen an die neuen Preise geknüpft, fuhr Teckentrup fort. 150.000 bis 200.000 Tickets und damit rund zehn Prozent der Sitzplätze auf innerdeutschen Strecken will die Lufthansa künftig pro Monat zum günstigsten Tarif von 98 Euro beziehungsweise 88 Euro bei Buchung im Internet anbieten. Einzig auf der Strecke von Frankfurt nach Berlin gebe es die Einschränkung, dass der Tarif zu 98 Euro nur bei einem Aufenthalt übers Wochenende gelte.

Nach Teckentrups Worten will die Lufthansa mit dem neuen Preismodell die Auslastung ihrer Maschinen auf innerdeutschen Flügen um fünf Prozentpunkte verbessern und den Umsatz "im zweistelligen Prozentbereich" steigern. Auch wenn dabei der Durchschnittserlös pro Passagier sinke, sei unter dem Strich mehr Geld in der Kasse, sagte Teckentrup.

Konkrete Angaben zu den erwarteten Umsatz- und Ergebnisauswirkungen des neuen Preismodells machte Teckentrup nicht. Wettbewerbsrechtliche Bedenken beim Bundeskartellamt sieht die Lufthansa nach eigenen Angaben nicht.

Mit ihren neuen Preisen wappnet sich die Lufthansa gegen die wachsende Konkurrenz der Low-Cost-Carrier wie Ryanair oder easyJet, die mit ihren Billigpreisen auch deutsche Kunden verstärkt ins Visier nehmen. Zudem senkte jüngst der Lufthansa-Erzrivale British Airways seine Preise für Europa-Flüge. "Natürlich muss man auf solche Aktionen der Wettbewerber reagieren", räumte Teckentrup ein.

Ebenfalls am Dienstag ging der juristische Dauerstreit zwischen Ryanair und der Lufthansa in eine neue Runde. Das Kölner Landgericht kündigte ein Urteil für den 17. September an. Lufthansa will Ryanair die Aussage "Lufthansa will keinen Wettbewerb" in einer Werbeanzeige untersagen lassen.

Der Vorsitzende Richter einer Zivilkammer bezog bereits in der mündlichen Verhandlung am Dienstag Stellung zu Gunsten der Lufthansa. Die Aussage in einer Anzeige, Lufthansa wolle keinen Wettbewerb, sei "eindeutig wettbewerbswidrig" und verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, sagte der Richter. Die Werbeaussage sei eine "pauschal herabsetzende Äußerung".

Die Rechtsanwältin der irischen Gesellschaft meinte dagegen, die Werbung "entspreche der Wahrheit", da die Lufthansa grundsätzlich gegen Konkurrenten - wie etwa auch die Fluggesellschaft Germania - eine wettbewerbsfeindliche Haltung an den Tag lege.

Lufthansa und Ryanair streiten schon seit geraumer Zeit vor Gericht. Zuletzt hatte Lufthansa gerügt, dass Ryanair den Flughafen Hahn im Hunsrück als "Frankfurt-Hahn" bezeichnet hatte. Strittig war auch die Behauptung von Ryanair, die Lufthansa arbeite mit "schmutzigen Tricks".