Lufthansa-Partner Varig Wie man eine Ikone verramscht
Rio de Janeiro Appolonio Costa mag sich gefühlt haben, als würde er einer Beerdigung beiwohnen: Der älteste Varig-Beschäftigte war eigens zur Auktionsveranstaltung in Rio gekommen, bei der die brasilianische Fluggesellschaft versteigert wurde.
Er und viele Kollegen verbargen ihre Erschütterung nicht, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde: Die älteste Fluggesellschaft Brasiliens wird für den Schleuderpreis von 24 Millionen Dollar an ein Konsortium von Investoren aus den USA und Brasilien verkauft. Bei der Versteigerung war die Gruppe, zu der der US-Investmentfonds Matlin Patterson gehört, der einzige Bieter. Sie hatte nicht mehr als den Mindestpreis geboten.
Varig hatte im Juni vergangenen Jahres Konkurs angemeldet, um durch Gläubigerschutz die Pfändung von Flugzeugen zu verhindern. Zuletzt war es ihr kaum möglich, den Treibstoff für ihre Maschinen zu bezahlen. Schon seit Ende Juni flog die Linie, die innerhalb der Star Alliance mit der Lufthansa kooperiert, daher nur noch die Hälfte ihrer ursprünglichen Ziele an.
Wie bei der Pleite der Swiss Air 2001 zeigt sich nun auch in Brasilien, wie sehr der Niedergang einer Fluggesellschaft auf die Stimmung einer Nation schlagen kann. 1927 vom deutschen Auswanderer Otto Ernst Meyer gegründet, war Varig nach einer Übernahme in den sechziger Jahren zur größten Airline ganz Südamerikas aufgestiegen. In den frühen siebziger Jahren setzte sie ihre ersten Großraumflugzeuge ein, ab 1981 auch Jumbo-Jets.
Tokio, Johannesburg - in diesen Jahren flog Varig die großen Ziele weltweit an. Schon 1998 aber mussten die Langstreckenziele eingestellt werden, der Vorstand verkaufte seine Jumbos und Langstrecken-Airbusse an die Konkurrenz. Heute besitzt Varig nur noch McDonnell-Douglas-Maschinen und meist kleinere Boeings vom Typ 737, im Schnitt sind die Flugzeuge fast 13 Jahre alt.
Die Käufer haben nun zwar Investitionen von 485 Millionen Dollar zugesagt, um die Fluglinie vor dem völligen Aus zu retten. Als erste Konsolidierungsmaßnahme strich das Konsortium das Varig-Programm aber drastisch zusammen: Von den zuletzt 25 nationalen und internationalen Verbindungen blieb nur eine übrig. Bis auf weiteres fliegt Varig nur noch auf der Strecke zwischen Rio de Janeiro und São Paulo. Das sei ein "erster Schritt" auf dem Weg zur Gesundung des Unternehmens, hieß es. Schrittweise sollten elf Auslandsstrecken und 13 nationale Verbindungen wieder hinzukommen.
Das Konsortium hatte bereits im vergangenen Jahr die ehemalige Logistiktochter VarigLog aufgekauft. Varig-Chef Marcelo Bottini begrüßte die Übernahme. "Eine neue Varig ist geboren", sagte Bottini. Anders als viele Mitarbeiter dürfte er seinen Job wohl behalten.
itz/AFP