Lufthansa-Sparzwang Noch weniger arbeiten, noch weniger Lohn
Frankfurt am Main - Man werde die Arbeitszeit des gesamten Bodenpersonals auf 35 Wochenstunden mit einer entsprechenden Reduzierung der Vergütung verkürzen, hieß es in einer Mitteilung der Fluggesellschaft. Darüber hinaus soll die Flugkapazität um weitere 15 Flugzeuge im Kontinentalverkehr reduziert werden.
Damit wird Lufthansa den Angaben zufolge gemeinsam mit ihren Regionalpartnern insgesamt 70 Flugzeuge freistellen. "Auch diese Maßnahmen sind allerdings nicht ausreichend", ließ sich Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber zitieren. "In einer breit angelegten konzertierten Aktion mit internen und externen Partnern müssen wir Lösungen erarbeiten, die uns auch langfristig auf der Kostenseite eine wettbewerbsstarke Lufthansa ermöglichen."
Die zweite Stufe der Arbeitszeitverkürzung soll den Angaben zufolge spätestens am 15. Mai in Kraft treten. Der Lufthansa-Vorstand rechnet außerdem für April 2003 im Passagierverkehr mit einem Erlöseinbruch von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Für den Nachfragerückgang ist laut Lufthansa neben der anhaltend schlechten Konjunktur und den Auswirkungen des Irak-Kriegs die weiterhin große Verunsicherung bei Asien-Reisenden auf Grund von SARS verantwortlich. "Diese drei Faktoren haben den Luftverkehr weltweit in seine größte wirtschaftliche Krise gestürzt. Die Nachfrage ist auf einigen Asien-Strecken dramatisch um bis zu 85 Prozent eingebrochen", hieß es in der Mitteilung weiter. Unter anderem werde das Angebot nach Hongkong von 13 auf drei wöchentliche Flüge verringert. Auf vielen Langstrecken werden darüber hinaus kleinere Flugzeuge eingesetzt. Schanghai wird nach Angaben von Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow nur noch sporadisch angeflogen, um Reisegruppen zu transportieren.
Bereits im April war ein Krisenplan zur Senkung der Personalkosten vereinbart worden. Vom 15. April an war die wöchentliche Arbeitszeit des Bodenpersonals ohne Lohnausgleich um 1,5 auf 36 Stunden gesenkt worden. Für die 13.000 Beschäftigten in der Kabine wurde rückwirkend zum 1. April Kurzarbeit beantragt.