Lufthansa-Streik Chaos befürchtet
Neu-Isenburg - "Wir gehen davon aus, dass so gut wie kein Flugzeug starten wird", sagte ein Sprecher der Piloten-Vereinigung Cockpit am Donnerstag in Frankfurt. Die Kunden der Fluggesellschaft müssen mit erheblichen Verspätungen im nationalen und internationalen Verkehr rechnen.
In den kommenden vier Wochen sei für jeden Donnerstag eine 24-stündige Arbeitsniederlegung geplant. Die Streiks würden fortgesetzt, bis ein abstimmungsfähiges Verhandlungsergebnis vorliege. Die Lufthansa bot inzwischen weitere Verhandlungen an, legte nach Angaben der Gewerkschaft aber kein neues Angebot vor.
Nach Angaben von Cockpit haben in der am Donnerstag abgeschlossenen Urabstimmung mehr als 96 Prozent der vertretenen Lufthansa-Piloten für einen Arbeitskampf gestimmt. Die Vereinigung vertritt rund 4200 Piloten der Lufthansa und deren Töchter, insgesamt sind etwa 90 Prozent der Lufthansa-Piloten Mitglied bei der Vereinigung Cockpit. Bei dem zunächst zwölf Stunden dauernden Streik am Freitag sollen den Angaben zufolge alle Flüge aus Deutschland - sowohl Inlands- als auch Auslandsflüge - bestreikt werden. Flüge nach Deutschland seien dagegen nicht betroffen.
Auslöser des Streiks sind die zuletzt von der Gewerkschaft abgebrochenen Tarifverhandlungen. Cockpit fordert für ihre rund 4200 Mitglieder bei Lufthansa und deren Töchter Condor und Cargo Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 35 Prozent sowie eine Ergebnisbeteiligung. Die Fluggesellschaft hatte lediglich eine Erhöhung der Vergütungen um zehn bis 16,7 Prozent angeboten. Von dem Streik dürfte insbesondere der Flughafen Frankfurt am Main betroffen sein.
Die Lufthansa bot derweil für den kommenden Mittwoch eine neue Verhandlungsrunde für die Piloten an. Konzernsprecher Klaus Walther sagte: "Lufthansa ist dialogbereit." Der Streik sei völlig überflüssig. Die Forderungen der Gewerkschaft seien aber "überhöht und nicht erfüllbar, weil sonst die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns gefährdet würde."
Auch Cockpit-Verhandlungsführer Michael Tarp signalisierte Bereitschaft zu weiteren Gesprächen. Zunächst müsse aber die Tarifkommission der Pilotengewerkschaft darüber beraten. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte: "Die Lufthansa hat vier Jahre in Folge das beste Ergebnis der europäischen Airlines eingefahren, aber die Piloten liegen beim Gehalt an letzter Stelle." Einem möglichen Kompromiss bei den Tarifverhandlungen nach der Einleitung von Streiks müssen allerdings nochmals fünfzig Prozent der Mitglieder zustimmen.
An der Börse gab der Kurs der Lufthansa-Aktie bis zum Nachmittag um 1,9 Prozent auf 20,75 Euro nach, er entwickelte sich damit geringfügig schlechter als der Gesamtmarkt. Analysten befürchten, dass eine längere Auseinandersetzung den Konzern mehrere Millionen Mark kosten könnte. Andererseits könnte ein hoher Tarifabschluss die Ertragskraft des Unternehmens schwächen.