Lufthansa-Tarifstreit: Kompromiss mit Piloten erzielt - DER SPIEGEL
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Lufthansa-Tarifstreit Kompromiss mit Piloten erzielt

Die Deutsche Lufthansa hat sich nach monatelangem Tarifstreit mit ihren Flugzeugführern geeinigt. Der Kompromiss sieht eine Nullrunde und flexiblere Arbeitszeiten vor.
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Frankfurt - Die Fluggesellschaft und die Pilotenvereinigung Cockpit legten in einer mehrtägigen Klausur ein umfangreiches Vertragswerk fest. Wie die Lufthansa   am Montag erklärte, werde damit die Wettbewerbsfähigkeit der drittgrößten europäischen Fluglinie gesichert. Die Vereinigung Cockpit (VC) sprach von einem vertretbaren Ergebnis für beide Seite.

Die vereinbarte Nullrunde sieht vor, dass die 4400 Lufthansa-Piloten bis März 2006 auf Gehaltssteigerungen verzichten. Darüber hinaus erhöht sich die ohne Zuschläge zulässige Flugstundenzahl im Monat um zwei Stunden. Zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und damit höheren Produktivität seien weitere Maßnahmen vereinbart worden, teilten die Tarifpartner mit.

Dadurch könne man rund sechs Prozent der jährlich 550 Millionen Euro Personalkosten bei den Piloten einsparen, teilte Lufthansa mit. Nach den Worten einer Konzernsprecherin sinken die Kosten für die Piloten um jährlich gut 30 Millionen Euro. "Darin sind die Auswirkungen der Nullrunde bei den Gehältern nicht enthalten", sagte die Sprecherin. "Was wir durch eine Nullrunde einsparen, lässt sich konkret schlecht beziffern, je nach dem welche fiktive Gehaltssteigerung man zu Grunde legt", erklärte sie weiter. Zudem sieht der Tarifvertrag vor, dass die Altersversorgung in eine Betriebsrente überführt wird.

Im Gegenzug stimmte Lufthansa der Cockpit-Forderung zu, die Billigfluglinie Germanwings in die Tarifstruktur des Lufthansa-Konzerns einzubeziehen. Es sei aber klar, dass sich ein Tarifvertrag bei Germanwings auch künftig an den Wettbewerbsbedingungen des Billigflugsektors orientieren werde, teilte Lufthansa mit.

Vorstände unter Druck

Mit der Einigung bei Lufthansa gibt es auch grünes Licht für die schon ausgehandelte Tarifeinigung bei der Flugtochter Condor des Reisekonzerns Thomas Cook. Die Vereinigung Cockpit hatte eine Unterzeichnung des Vertragswerks von einer Lösung bei Lufthansa abhängig gemacht, die mit 50 Prozent an Thomas Cook beteiligt ist. Zudem können Condor-Piloten zur Lufthansa wechseln. Eine ähnliche Verknüpfung der Tarifverträge zwischen Tochter und Mutterkonzern schwebt Cockpit auch für Germanwings vor, an der Lufthansa über die Tochter Eurowings 49 Prozent hält.

Die Tarifabschlüsse sind von zentraler Bedeutung für das von Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber aufgelegte Sparpaket über 1,2 Milliarden Euro bis 2006. Davon entfallen 300 Millionen Euro auf den Bereich Personal. Für 2004 wurde das Sparziel beim Personal von gut 100 Millionen Euro nur etwa zur Hälfte erfüllt. Deshalb standen Mayrhuber und sein Personalvorstand Stefan Lauer auch seitens der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat unter Druck. Mayrhuber hatte Anfang Oktober öffentlich zur Eile aufgerufen und gedroht, wenn nicht bald eine Einigung erfolge, müsse Lufthansa möglicherweise Flugverkehr innerhalb Europas auf preiswertere Partner verlagern.

Signalwirkung für Kabine und Boden

Die überaus schwierigen Gespräche mit den Piloten blockierten die Einigung für die 38.000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden und die 14.000 Flugbegleiter in der Kabine. Mit den Gewerkschaften Ver.di und UFO (Unabhängige Flugbegleiter-Organisation) sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen bereits weitgehende Übereinkünfte über flexiblere Arbeitszeiten und Einsparungen erzielt worden.

Allerdings wollten beide Gewerkschaften vor einer Unterschrift das Ergebnis für die Piloten abwarten, um nicht wieder wie 2001 schlechter als diese abzuschneiden. Seinerzeit hatten die Piloten nach Streikaktionen Gehaltssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich durchgesetzt.

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