Lufthansa-Tarifstreit Piloten drohen mit offenem Konflikt
Düsseldorf/München - Erstmals droht die Interessenvertretung der gut 3300 Lufthansa-Piloten laut einem Bericht des "Handelsblatt" mit einem "offenen Konflikt" für den Fall, dass der Vorstand den Konzerntarifvertrag umgehen und Geschäft auf Partnergesellschaften auslagern sollte. Auslöser des Streits sind Spekulationen, wonach die Konzernführung fünf Boeing 737 bald an ihre 100-prozentige Italien-Tochter Air Dolomiti abgeben könnte.
Die Pilotenvereinigung habe diesbezüglich "sehr konkrete Hinweise von der Betriebsebene" erhalten, zitiert das Blatt einen Cockpit-Sprecher. "Sollte sich dies bestätigen, ist fraglich, ob der offene Konflikt zwischen Management und Personal noch vermieden werden kann", heißt es in einem internen Schreiben der Interessenvertretung an die Piloten.
Die Lufthansa dementierte, dass sie erstmals große Jets an die bisher mit Regionalflugzeugen operierende Air Dolomiti abgeben wolle. "Lufthansa hat keine Pläne, Flugzeuge ihrer eigenen Flotte bei Air Dolomiti in Dienst zu stellen", sagte eine Sprecherin.
Konzernchef Mayrhuber will Ergebnisse sehen
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" auf Ergebnisse in den laufenden Tarifverhandlungen des Konzerns gedrängt. Für wichtige Investitionsentscheidungen brauche er klare Rahmenbedingungen, sagte der Manager. "Ich brauche endlich ein Ergebnis, denn wir wollen in Kurzstrecken-Flugzeuge investieren", sagte er.
Seit mehr als einem Jahr laufen die Tarifverhandlungen für 55.000 Mitarbeiter, ein Durchbruch wurde bislang nur in einigen Bereichen erzielt, so etwa bei der Cateringtochter LSG. "Die Uhr steht auf dem Verhandlungstisch", so Mayrhuber.
Bei einem unzureichenden Tarifergebnis werde die Lufthansa Aufgaben fremd vergeben müssen, fügte der Unternehmenschef hinzu. Sollten die laut Mayrhuber "notwendigen Personalkostensenkungen" nicht erreicht werden, könne er zudem eine Verlagerung von zusätzlichen Flügen an Partner nicht ausschließen.
Die Lufthansa will bis 2006 etwa 1,2 Milliarden Euro einsparen, davon etwa 300 Millionen Euro im Personalbereich. Von ihrem Ziel, die Personalkosten in diesem Jahr um 105 Millionen Euro zu senken, sei das Unternehmen aber weit entfernt. Nur knapp die Hälfte davon sei realisiert, sagte der Manager.