Luftschiffbau CargoLifter hat kein Geld mehr
Berlin - Eines der schillerndsten Projekte der deutschen Luftfahrtgeschichte steht vor dem Ende. Der Luftschiffbauer CargoLifter hat kein Geld mehr für die nötigsten Ausgaben. Das Unternehmen erklärte sich am Dienstagabend in Berlin für zahlungsunfähig. Die Gesellschaft habe große Anstrengungen unternommen, um Geld einzuwerben, hieß es seitens der CargoLifter Aktiengesellschaft. Dies sei nicht gelungen. Daher können auch die Mai-Gehälter für die rund 500 Beschäftigten nicht mehr gezahlt werden.
Das börsennotierte Unternehmen werde allerdings in den nächsten Tagen keinen Insolvenzantrag stellen, teilte eine Firmensprecherin mit. Dafür habe CargoLifter nach der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit noch drei Wochen Zeit.
Das Unternehmen versuche diesen Fall noch abzuwenden. Dabei setze es auf Verhandlungen mit Banken, Investoren und dem Land Brandenburg. Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem Land steht nach Firmenangaben die Nutzung einer schon bestehenden Bürgschaft über 35 Millionen Euro. Diese Bürgschaft kann CargoLifter bislang nicht in Anspruch nehmen, weil das Unternehmen keine Bank findet, die das restliche Risiko übernimmt.
Die Lage des börsennotierten Unternehmens hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Mitte Mai musste CargoLifter-Chef Carl von Gablenz sein ehrgeizigstes Projekt einstellen, den Bau eines gigantischen Luftschiffes zum Transport von bis zu 160 Tonnen schweren Lasten. In die Entwicklung wurden in den vergangenen Jahren mehr als 300 Millionen Euro gesteckt. Stattdessen wollte das Unternehmen nun nur noch wesentlich kleinere Transport-Ballons bauen.
Zuvor hatten es sowohl der Bund als auch das Land Brandenburg abgelehnt, kurzfristig Gelder zur Verfügung stellen. Im brandenburgischen Brand steht die Werfthalle. Allein dort sind mehr als 300 Arbeitsplätze in Gefahr. Die monatlichen Personalkosten bezifferte Firmengründer Gablenz kürzlich auf 2,5 Millionen Euro. Nicht einmal so viel Geld hat CargoLifter nun noch in den Kassen.
Nach Darstellung von Firmensprecherin Silke Rösser hat CargoLifter nach der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit nun drei Wochen Zeit, bevor Insolvenz angemeldet werden muss. In dieser Zeit will das Unternehmen versuchen, doch noch an Geld zu kommen. Dazu soll es weitere Gespräche mit Banken, Investoren und dem Land Brandenburg geben.
Aus der Privatwirtschaft und am Kapitalmarkt kam in den vergangenen Wochen kaum noch Geld zusammen. Das Exklusiv-Angebot einer Wandelanleihe an die mehr als 70 000 Aktionäre brachte statt der erhofften 50 Millionen nur 3,8 Millionen Euro ein. Am Dienstagabend sackte die CargoLifter-Aktie weiter ab. Das Papier, das einst mehr als 23 Euro wert war, notierte nur noch bei einem Euro.
An dem Riesen-Luftschiff CL 160, der im Frühjahr 2005 erstmals abheben sollte, hatte CargoLifter seit Mitte der 90er Jahre gearbeitet. Einen Prototypen gibt es aber noch nicht. Von dem Ballon, der bis zu 75 Tonnen transportieren kann, hat das Unternehmen bislang ein einziges Exemplar verkauft - an eine Firma, an der CargoLifter selbst beteiligt ist.