Lust zum Risiko Regierung will Hedgefonds stärken
Berlin - Ziel sei es unter anderem, für alle Investmentfonds und damit auch für die Hedge-Fonds die Meldepflichten an die Finanzaufsicht BaFin zu lockern, sagte der Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, der "Financial Times Deutschland". Dies werde im Rahmen der bereits seit längerem geplanten Novelle des Investmentgesetzes geschehen. Die Änderungen sollten zum Jahresbeginn 2007 in Kraft treten. Einzelheiten zu der geplanten Novelle nannte Asmussen nicht.
Erst gestern hatte nach deutschem Recht aufgelegte Fonds Lion Global Opportunity seine Schließung bekannt gegeben. Der Fonds mit Sitz auf den Bermudas, der von der HypoVereinsbank (HVB) aufgelegt und später in Eigenregie weitergeführt worden war, verwaltete nach Neumayers Angaben zu Spitzenzeiten 275 Millionen Euro und war damit einer der größten deutschen Hedgefonds. Zum Verhängnis wurde Lion, dass die HVB nach der Fusion mit der italienischen UniCredit seit November insgesamt 125 Millionen Euro eigener Mittel aus dem Fonds abzog. "Das hat einen Domino-Effekt ausgelöst."
Geschäft blieb hinter Erwartungen zurück
Die Schließung wurde als herber Rückschlag für die Branche gewertet. Der Vertrieb der umstrittenen Hedgefonds war in Deutschland 2004 zugelassen worden, das Geschäft mit dieser Anlage-Art ist jedoch weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die deutschen Kunden hält neben dem Heuschrecken-Image auch die fehlende Transparenz ab. "Auch die Rendite ist nicht mehr so gut wie vor einigen Jahren", räumte Neumayer mit Blick auf die rasant gestiegenen Aktienkurse ein.
In den 43 existierenden Fonds sind laut Branchenverband BAI insgesamt rund zwei Milliarden Euro investiert, also pro Fonds weniger als 50 Millionen Euro. Branchenexperten zufolge braucht ein Fonds mindestens das Doppelte an Volumen zum Überleben. Hedgefonds sind im Gegensatz zu anderen Anlageprodukten fast keinen Beschränkungen unterworfen und sind für Anleger hochriskant. Sie bieten allerdings auch die Chance auf große Gewinne.
Ase/AFP/reuters