Machtkampf Contis Chefaufseher soll abtreten
Hamburg - Der Druck auf Rolf Koerfer steigt: Im Machtkampf zwischen Schaeffler und Continental wurde dem Conti-Aufsichtsratschef offenbar mit seiner Ablösung gedroht. "Die Situation ist völlig verfahren. Deswegen ist ein Neubeginn auch im Aufsichtsrat von Continental nötig", zitiert die "Financial Times Deutschland" am Montag Unternehmenskreise.
Koerfer wird der katastrophale Verlauf der Conti-Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag zur Last gelegt. Schaeffler wollte Conti-Chef Karl-Thomas Neumann absetzen, was die Arbeitnehmervertreter aber verhinderten. Koerfer befand sich als Schaeffler-Mann in einem Interessenkonflikt.
Laut "FTD" steht Koerfer nicht nur bei den Conti-Arbeitnehmervertretern in der Kritik, sondern auch bei Teilen der Kapitalseite. Selbst Ex-Daimler-Vorstand Klaus Mangold, der eher der Schaeffler-Seite zugerechnet wird, habe Koerfers Vorgehen während der Aufsichtsratssitzung als "schädigend für Conti" bezeichnet, hieß es im Gremium.
Dem Bericht zufolge wird bereits ein neuer Aufsichtsratschef für Conti gesucht. Dieser soll von außen kommen, eine Integrationsfigur und für Conti und seine Arbeitnehmervertreter akzeptabel sein. Die Schaeffler-Gruppe jedoch stellt sich hinter den Chefaufseher: Koerfer habe "das uneingeschränkte Vertrauen. Eine Ablösung ist daher kein Thema", sagte ein Sprecher.
Auch der Commerzbank, der Führerin des Schaeffler-Bankenkonsortiums, und ihrem Chef Martin Blessing wurden laut "FTD" schwere Versäumnisse vorgeworfen. Es sei völlig schleierhaft, wie Blessing das Chaos bei Conti dulden könne, sagte ein Conti-Kapitalvertreter.
Nach dem Eklat in der Conti-Aufsichtsratssitzung hat sich nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff in den Machtkampf eingeschaltet. Der CDU-Politiker hat nach eigenen Angaben mit der Familien-Unternehmerin Marie Elisabeth Schaeffler telefoniert und versucht, in dem Streit zu vermitteln. Wulff gilt als Befürworter Neumanns - er hatte sich am Freitag demonstrativ hinter den angeschlagenen Manager gestellt. Laut "FTD" ist Wulff tief verärgert über die Commerzbank.
Laut "Handelsblatt" prüft Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, eine neue Holding zu gründen, um die drastische Verschuldung in den Griff zu bekommen. Arbeitstitel des Projekts sei "HolCo". An die neue Holding soll eine operative Einheit (OpCo) mit dem operativen Schaeffler-Geschäft und der börsennotierten Continental AG angehängt werden.
Die insgesamt 22 Milliarden Euro Schulden sollen zwischen den Gesellschaften aufgeteilt werden. So müsste Schaeffler nicht mit seiner vollen Schuldenlast in eine spätere Fusion mit Conti gehen. In einem halben oder einem Jahr soll Conti dem Plan zufolge dann mit der "OpCo" verschmolzen werden.
In der deutschen Automobilindustrie wächst nach SPIEGEL-Informationen der Ärger über das Gebaren der Schaefflers. Die fränkische Unternehmerfamilie habe als Mehrheitseigentümer bei Continental in Hannover ein Chaos angerichtet, sagte ein hochrangiger VW-Manager. Dies sei für die Branche gefährlich, denn Conti spiele eine zentrale Rolle bei der Entwicklung alternativer Antriebe.
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass Schaeffler laut "FTD" auf eine Ablösung Rolf Koerfers dringt. Dies war nicht korrekt wiedergegeben. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.