Machtkampf Kirch erwirbt die Formel-1-Rechte
München - Die KirchGruppe will es bei ihrem geplanten Einstieg in die Formel 1 offenbar auf einen Machtkampf mit den beteiligten Autoherstellern ankommen lassen. EM.TV hat mit finanzieller Unterstützung des Münchner TV-Konzerns die Call-Option für weitere 25 Prozent an der Formel-1-Holding SLEC ausgeübt, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Gesamtwert des Geschäfts: knapp eine Milliarde Dollar.
Damit werden Kirch und EM.TV über ihre Tochtergesellschaft Speed Investment Limited künftig 75 Prozent an der SLEC halten, die die begehrten Fernsehrechte für die Formel 1 vergibt. Die restlichen 25 Prozent hält die Rennsport-Ikone Bernie Ecclestone.
Die an der Formel 1 beteiligten Autohersteller reagierten mit scharfer Kritik auf die Kirch-Pläne. Zuvor hatten sie Interesse an einem Drittel der SLEC-Anteile angemeldet, wollen aber nicht mit Kirch zusammenarbeiten. "Wenn Kirch 75 Prozent der Akteinanteile bekommt, ist die Formel 1 tot", sagte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert der "Financial Times". Die Konstrukteure hatten bereits zuvor mit der Gründung einer alternativen Rennserie gedroht.
Sie befürchten vor allem, dass die Kirch-Gruppe die Rennen künftig nur noch in ihrem Pay-TV-Kanal Premiere live überträgt. Dem widersprach das Medienunternehmen: "Es gibt kein Interesse, die Formel 1 im Pay-TV verschwinden zu lassen", sagte ein Sprecher.
EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum hatte am Vortag erklärt, ein Verkauf von Anteilen an die Autohersteller sei durchaus möglich, die Gegenseite habe aber noch kein Angebot vorgelegt. Zuvor hatte Mercedes-Chef Hubbert Verhandlungen mit Kirch bereits kategorisch abgelehnt. "Ich kenne Kirch nicht und will ihn auch nicht kennen lernen. Wir kaufen nicht von Kirch", sagte er.