Machtkampf Porsche attackiert Ministerpräsident Wulff
Stuttgart - Es ist der Kampf von zwei der traditionsreichsten Autobauer Deutschlands, von zwei einflussreichen Familienclans - und auch die Politik mischt kräftig mit beim Ringen zwischen Porsche und Volkswagen. Jetzt rief ein Porsche-Sprecher Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zur Ordnung - und warf ihm vor, die Verhandlungen über den Einstieg des Golfemirates Katar bei dem Sportwagenbauer zu torpedieren.
Sportwagenhersteller Porsche: Ringen um die Vorherrschaft
Foto: Thomas Kienzle/ AP"Herr Wulff kann nicht beurteilen, ob Porsche ein Angebot von Katar vorliegt, da er in die Verhandlungen nicht mit eingebunden war", erklärte der Sprecher am Montag in Stuttgart. Er reagierte damit auf Äußerungen des Regierungschefs, Berichte über das Milliardenangebot aus Katar seien Unsinn.
Der Porsche-Sprecher betonte jedoch, dass noch keine abschließende Entscheidung über das Angebot des Emirates über rund sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen der Porsche Holding SE gefallen sei. Der Aufsichtsrat werde frühestens bei der Porsche-Aufsichtsratssitzung am 23. Juli eine Entscheidung darüber treffen können. Er betonte jedoch: "Das Emirat Katar ist ebenso wie Porsche an der Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns interessiert. Es gibt deshalb keinen Grund zur Aufregung."
Porsche hatte zuvor mitgeteilt, die Gespräche mit Katar seien weit fortgeschritten. Porsche-Sprecher Albrecht Bamler sagte: "Der Vorstand hat mit Katar eine Vereinbarung ausgehandelt, die Basis für ein tragfähiges Konzept ist." Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Katar soll inzwischen sieben Milliarden Euro für einen Einstieg bei Porsche und für dessen VW-Aktienoptionen bieten.
Neben der Beteiligung von Katar liegt auch noch der Vorschlag von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch auf dem Tisch. Danach wollen die Wolfsburger knapp 50 Prozent am Sportwagenbauer übernehmen. Nach SPIEGEL-Informationen hat VW sein Angebot auf vier Milliarden Euro erhöht. Zu beiden Vorschlägen wollte Porsche-Sprecher Bamler keine Stellung nehmen. Auch Volkswagen lehnte einen Kommentar ab.