LUFTFAHRT »Mächtig ins Zeug gelegt«
Ayling, 52, leitet seit 1996 den Luftfahrt- riesen British Airways (BA). Unter der Führung des gelernten Juristen entwickelte sich die frühere Staatsfirma zu einer der profitabelsten Fluggesellschaften.
SPIEGEL: British Airways hat bisher nur Boeing-Flugzeuge gekauft. Jetzt wollen Sie erstmals bis zu 188 Jets beim Konkurrenten Airbus ordern. Warum der Wechsel?
Ayling: Airbus hat uns die besseren Konditionen geboten.
SPIEGEL: Was heißt das?
Ayling: Die Bewertung von Flugzeugkäufen ist hochkompliziert. Der Preis, der für die Fluggesellschaften zählt, sind die monatlichen Kosten, die für die Nutzung der Maschinen angesetzt werden müssen. Wir haben verglichen und festgestellt, daß die Airbus-Maschinen um einiges günstiger zu betreiben sind.
SPIEGEL: Ist es nicht generell teurer, mehrere Marken zu fliegen?
Ayling: Wir haben uns günstige Konditionen für die Wartung der Maschinen und der Triebwerke gesichert. Außerdem werden die Airbusse an Standorten eingesetzt, an denen später keine Boeings mehr stationiert sind, nämlich in Manchester und Birmingham. Zudem werden sie in London-Gatwick starten und landen, wo sie andere Kurzstreckenmaschinen ablösen werden. Zusätzlich werden wir sie auf Strecken unserer Tochtergesellschaft in Frankreich und wahrscheinlich auch in Deutschland verwenden, wo sie eine einheitliche Europaflotte bilden werden.
SPIEGEL: Hat der britische Premierminister Tony Blair nachgeholfen?
Ayling: Ich habe das Geschäft erst mit Herrn Blair diskutiert, als die Entscheidung schon gefallen war. Für uns ist sehr wichtig, daß wir unsere wirtschaftliche Freiheit zu 100 Prozent erhalten, und die britische Regierung hat uns darin bestärkt.
SPIEGEL: Nach der offiziellen Preisliste kostet ein Airbus A319 bis zu 46 Millionen Dollar, der A320 bis zu 49 und das Flaggschiff der Familie, der A321, bis zu 60 Millionen Dollar. Angeblich haben Sie 50 Prozent Rabatt auf diese Preise bekommen.
Ayling: Ich werde den Teufel tun und irgendeine dieser Zahlen bestätigen. Wir schauen nie auf den Preis, der auf dem Etikett steht. Uns interessiert nur die endgültige Kostenbelastung pro Monat. Wir handeln Bedingungen mit dem Hersteller aus, die es erlauben, das Flugzeug zu finanzieren, die Betriebskosten zu decken, und die uns Gewinne erwirtschaften lassen.
SPIEGEL: Können Sie die Maschinen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem garantierten Restwert zurückgeben?
Ayling: Das ist die Bedingung bei jedem Flugzeug-Kaufvertrag, den British Airways abschließt.
SPIEGEL: Boeing behauptet, Airbus habe mit unfairen Mitteln gearbeitet.
Ayling: Es war wirklich ein außergewöhnlich harter Wettbewerb. Beide Firmen haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Airbus hatte das bessere Komplettangebot.
SPIEGEL: Ein Teil der neu gekauften Maschinen soll auf innerdeutschen Strecken bei Ihrer Tochter Deutsche BA eingesetzt werden. Planen Sie die nächste Offensive gegen die Lufthansa?
Ayling: Wir planen keine Angriffe auf unsere Wettbewerber, das entspricht nicht unserem Stil. Wir analysieren den Markt, und wenn wir feststellen, daß Nachfrage nach unseren Serviceleistungen besteht, dann nehmen wir neue Routen ins Netz auf.
SPIEGEL: Steht das in Deutschland bevor?
Ayling: Wir sind mit unserem Deutschlandgeschäft jetzt sehr zufrieden. Die deutsche Wirtschaft läuft wieder besser, und das können wir an den Ergebnissen unserer Tochterfirma ablesen. Ich glaube deshalb, daß unser Deutschlandgeschäft auch in Zukunft erfreulich wachsen wird.
SPIEGEL: Im Zusammenhang mit dem Airbus-Kauf haben Sie einige Bestellungen von Boeing-Jumbos storniert. Wollen Sie warten, bis die Europäer ihr geplantes neues Großraumflugzeug A3XX mit bis zu 650 Sitzen entwickelt haben?
Ayling: Wir haben die Maschinen nicht komplett abbestellt, sondern die Orders nur in Aufträge für die neue Boeing 777 umgewandelt. Aber wir haben Bedarf für größere Flugzeuge und interessieren uns deshalb für den neuen A3XX.
SPIEGEL: Die Airbus-Manager wollen den neuen Super-Jumbo erst dann produzieren, wenn ein Kunde sich zur Abnahme einer bestimmten Anzahl von Flugzeugen bereit erklärt. Könnte der Erstkunde British Airways heißen?
Ayling: Ich will das nicht ausschließen. Aber es ist noch zu früh, das jetzt zu entscheiden. Wir wollen erst mal das konkrete Angebot sehen.
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Flugzeugbestellungen - alle Typen
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