Märkte Schnäppchenjäger unterwegs
Hamburg - Viele Investoren hatten bereits am Vormittag den Warnschuss des Ifo-Institus zum Anlass genommen, ihre Gewinne aus den vergangenen Monaten vom Tisch zu nehmen. Um 16 Uhr MEZ folgte mit einem deutlich schwächeren US-Verbrauchervertrauen der nächste Nackenschlag: Der vom Conference Board ermittelte Index für Februar fiel von 96,4 Zählern im Vormonat auf 87,3 Punkte. Analysten hatten 94,1 Zähler erwartet.
Der Dax baute daraufhin seine Verluste deutlich aus. Um 16.10 Uhr notierte der Index 2,4 Prozent schwächer bei 3969 Zählern. Bis 16.30 Uhr drehten die US-Börsen nach schwachem Start jedoch wieder ins Plus: Mutige Investoren nutzten das ermäßigte Kursniveau zum Kauf, da die nächste Zinserhöhung in den USA mit den schwachen Konjunkturdaten wieder in weite Ferne gerückt ist.
Händler sprechen von einer "kurzfristigen Korrektur"> Eine Trendwende meldete bereits am Morgen das Münchener Ifo-Institut: Der Geschäftsklimaindikator des ifo-Instituts für Deutschland hat sich im Februar angesichts der Euro-Stärke verschlechtert und ist nach neun Anstiegen in Folge von 97,5 Punkten im Vormonat auf 96,4 Punkte gesunken.
"Kurzfristig könnte der Einfluss beschränkt sein, langfristig ist die Wirkung des ifo-Index aber nicht zu unterschätzen", sagte Volker Borghoff, Stratege bei HSBC Trinkaus. Den Analysten von HSBC zufolge verliert der Aktienmarkt in den sechs Monaten nach einem solchen Wendepunkt durchschnittlich fünf Prozent.
Nasdaq: 2000-Punkte-Marke gefallen
Der Technologieindex Nasdaq Composite ist seit fünf Wochen im Rückwärtsgang und am Dienstag im frühen Handel unter die Marke von 2000 zurückfallen. "Technologiewerte sind in den vergangenen Monaten ein wenig heißgelaufen", sagte ein Händler.
"Wir befinden uns in einer Korrekturphase", sagte Larry Wachtel, Anaylst bei Wachovia Securities. Nach elf Monaten steigenden Kursen sei es sehr schwierig, den Aufwärtsschwung beizubehalten, so dass er kurzfristig mit einer Schwächephase rechne. "Es bleibt ein Bullenmarkt, aber wir brauchten eine Korrektur", sagt Wachtel.
Langfristig würden jedoch die niedrigen Zinsen und der Mangel an Alternativen das Interesse an Aktien aufrecht erhalten, ergänzte ein Händler. Sollten die Indizes weiter fallen, dürften viele Investoren das ermäßigte Kursniveau in den kommenden Tagen zum Ausstieg nutzen.
Finanztitel unter Druck
Zu den schwächsten Titeln im Dax zählten Tui , Volkswagen und der Versicherungskonzern Allianz , der am Nachmittag mit 101,60 Euro ein Tief markierte und mit einem Verlust von mehr als drei Prozent schwächster Titel im Dax war. Sollte die Marke von 100 Euro fallen, könnten weitere Stopp-Loss-Orders ausgelöst werden, meinten Händler.
Auch die Aktien der HypoVereinsbank verloren mehr als zwei Prozent: Die HVB will sich nach Informationen der "Welt" über eine Kapitalerhöhung bis zu drei Milliarden Euro und damit mehr Geld beschaffen als bislang erwartet.
Defensiver eingeschätzte Werte zeigten sich hingegen robust. Pharmatitel wie Fresenius Medical Care und Altana legten gegen den Trend zu. Auch die Commerzbank zeigte sich fest.
Euro legt wieder zu
Der Euro erholte sich von seinem jüngsten Schwächeanfall und kletterte am Dienstag wieder über die Marke von 1,26 US-Dollar. Die Sorge, dass der Euro gegenüber dem Dollar langfristig stark bleiben werde, hatte bereits die Geschäftserwartungen in Deutschland gedämpft.