Mafiöse Strukturen: Kaviar-Schmuggel in EU blüht - DER SPIEGEL
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Mafiöse Strukturen Kaviar-Schmuggel in EU blüht

Luxus und Artenschutz passen manchmal schlecht zusammen: Den Konsum von Kaviar wollen sich europäische Feinschmecker von Umweltauflagen nicht kaputtmachen lassen, die den Handel mit den Störeiern eng begrenzen. Der Schmuggel mit dem "schwarzen Gold" blüht deshalb in den letzten Jahren.
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Cambridge/Brüssel - Das illegale Kaviar-Geschäft habe "wichtige Verbindungen zur organisierten Kriminalität", warnte heute die Umweltorganisation Traffic. Fast zwölf Tonnen illegale Kaviar-Lieferungen in die EU-Staaten und die Schweiz hätten die Zollbehörden seit dem Jahr 2000 entdeckt. Und das sei wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der Schmuggelwaren.

Die meisten Schmuggellieferungen seien in den fünf Berichtsjahren in Deutschland (2,2 Tonnen), der Schweiz (zwei Tonnen), den Niederlanden (1,9 Tonnen) und Polen (1,8 Tonnen) gefunden worden. Das Rekordjahr für Schmuggelkaviar war 2003, als 3,7 Tonnen der teuren Delikatesse bei illegalen Transporten entdeckt wurden. 2005 seien insgesamt 1,7 Tonnen der zumeist aus Russland stammenden Störeier sichergestellt worden.

Die Angaben beruhen laut Traffic auf Zahlen der Datenbank EU-TWIX (European Union-Trade Wildlife Information eXchange), die vom belgischen Zoll mit Unterstützung der EU-Kommission betrieben wird.

"EU veschleppt Einführung von Kaviarlabels"

Dabei haben Feinschmecker mit ihrem Kaviar-Konsum dem Produzenten der Delikatesse, dem Stör, bereits schwer zugesetzt. Der Umweltorganisation World Wide Fund of Nature (WWF) zufolge sind bereits 70 Prozent der weltweiten Populationen in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Der Handel mit den Fischeiern wird vom Washingtoner Artenschutzabkommen Cites deshalb inzwischen eigentlich streng limitiert. Demnach dürfen nicht mehr als 250 Gramm ohne Bewilligung in die EU eingeführt werden. Die zuständige Uno-Behörde in Genf verhängt jedes Jahr außerdem Handels-Quoten. Der legale Handel sei deshalb zwischen 1998 und 2003 um rund 70 Prozent zurückgegangen, berichtet der WWF. Die so entstehende Lücke habe wahrscheinlich der illegale Verkauf gefüllt.

Schuld am Anstieg des Kaviarschmuggels seien auch die europäischen Regierungen, so der WWF. Sie verschleppten die Einführung von Kaviarlabels. Eine neue EU-Verordnung soll nun dafür sorgen, dass die Kennzeichnungspflicht ab 2006 EU-weit verbindlich eingeführt wird.

Nach Ansicht des WWF liege das Grundproblem allerdings ohnehin woanders. "In der Region um das Kaspische Meer in Zentralasien, aus dem der meiste Kaviar stammt, liegt das monatliche Durchschnittseinkommen bei etwa 120 Dollar. Ein Kilogramm Beluga-Kaviar bringt den Fischern auf einen Schlag 7000 Dollar. Dafür verstoßen die Fischer ohne weiteres gegen Fangquoten", so eine WWF-Mitarbeiterin. "Wenn die Überfischung nicht durch Kontrollen und Aufklärungsarbeit vor Ort gestoppt wird, gibt es mittelfristig weder Störe noch Kaviarfischer."