Mahnende Worte: Kontrollbehörde rüffelt Stromanbieter - DER SPIEGEL
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Mahnende Worte Kontrollbehörde rüffelt Stromanbieter

Die Bundesnetzagentur zeigt sich streng: Der Stromkonzern Vattenfall muss die Gebühren, die er von anderen Unternehmen für die Nutzung seiner Netze verlangt, ordentlich senken. Anderen Energieunternehmen droht Ähnliches. Und auch die Gasanbieter setzt die Regulierungsbehörde unter Druck.
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Bonn - Die Bundesnetzagentur hat Vattenfall Europe   die Netzentgelte um 18 Prozent gegenüber dem beantragten Satz gekürzt. Im Vergleich zu den Netzkosten im Jahr 2004 liege die Kürzung bei 11,7 Prozent, sagte der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, in Bonn.

Diese erste Entscheidung über die Netzkosten habe Auswirkungen vor allem für die Verteilnetzbetreiber, also die Stadtwerke im Bereich von Vattenfall. Mittelbar sollten damit auch die Preise für die Endkunden sinken. Die Entscheidung sei sofort vollziehbar, erklärte Kurth. Auch eine Beschwerde des Unternehmens ändere nichts am Inkrafttreten des Beschlusses zum 1. Juli.

Die Kostenentscheidung gilt bis Jahresende. Über Netzentgelte in weiteren 257 Netzen werde demnächst entschieden, erklärte Kurth. Auch große Versorger wie E.on   und RWE   erwarten, dass die von ihnen beantragten Netzgebühren von der Kontrollbehörde gekürzt werden. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen zahlreicher Stadtwerke in Deutschland vertritt, befürchtet, dass die Agentur Kürzungen in einer Größenordnung von 15 bis 30 Prozent anordnen könne. Netzagentur-Referatsleiter Wolfgang Schmidt erklärte gestern ebenfalls: "Wir gehen schon davon aus, dass bei den beantragten Entgelten deutliche Kürzungen vorgenommen werden müssen."

Gutachten über Stromchaos im Münsterland

Außerdem legte die Behörde heute ein Gutachten über das Stromchaos im Münsterland im vergangenen Winter vor. Tagelang hatten dort zehntausende Menschen keinen Strom, weil Masten unter der Last von Schnee und Eis umgestürzt waren. Durch die ungewöhnlichen Wetterbedingungen seien die Auslegungsnormen der Freileitungen deutlich überschritten worden, erklärte die Behörde jetzt. Ein Mastteil aus Thomasstahl sei dann gebrochen und habe weitere Masten umstürzen lassen. Mangelnde Wartung könne man dem Betreiber RWE nicht vorwerfen.

Kurth forderte trotzdem von den Stromkonzernen, alle Masten aus dem für Versprödung anfälligen Thomasstahl schleunigst zu überprüfen und empfahl RWE, sein Sanierungskonzept für die Masten aus diesem Material zu beschleunigen. 

Mahnende Worte auch an die Gasanbieter

Die Öffnung der Gasmärkte ist nach Darstellung der Bundesnetzagentur unterdessen auf einem guten Weg. Es sei möglich, dass das neue Zugangsmodell, nachdem die Endkunden den Anbieter frei wählen dürfen, bereits zum 1. Oktober starten könnte, sagte Kurth. Die Gasbranche habe mit einer Vereinbarung die Voraussetzungen dafür geschaffen. Auf Grund eines weitgehend geschlossenen Netzzugangs hatten private Endkunden bisher kaum Alternativen zu ihrem monopolistischen Anbieter.

Allerdings sei noch nicht geklärt, wie künftig der Wechsel des Gaslieferanten für Endkunden ablaufen soll, mahnte Kurth. Da aber die angestrebte Öffnung des Wettbewerbs "von einem reibungslosen Lieferantenwechsel lebt", werde die Behörde voraussichtlich eigene Lösungen durch Beschuss festlegen.

ase/AP/dpa