MAN-Hauptversammlung: Anleger bereiten Piëch eisigen Empfang - DER SPIEGEL
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MAN-Hauptversammlung Anleger bereiten Piëch eisigen Empfang

Knapp 30 Prozent Aktienanteil - da schien die Berufung von VW-Patriarch Ferdinand Piëch in den Aufsichtsrat von MAN reine Formsache. Der Widerstand der Aktionäre auf der Hauptversammlung des Lkw-Herstellers fiel jedoch ungeahnt heftig aus.
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München - Etliche Aktionärsschützer und Fondsmanager machten in ihren Redebeiträgen Front gegen Piëchs Wahl zum MAN-Aufsichtsratschef. Der neue Großaktionär Volkswagen   habe beim Scheitern der Scania -Übernahme mit MAN   gespielt und führe sich auf "wie die Axt im Walde", sagte der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Harald Petersen. Dass Piëch Gewerkschaftern für ihre Unterstützung heimlich Zusagen gemacht habe, sei ein Skandal. Petersen drohte bei einer Wahl Piëchs mit einer Sonderprüfung und Haftungsforderungen.

Die Hauptversammlung wählte den Chefkontrolleur später mit 73,26 Prozent der Stimmen.

Der DWS-Fonds-Banker und Corporate-Governance-Kommissionsmitglied Christian Strenger hatte Piëch zuvor einen "defizitären Umgang mit guten Aktionärssitten" vorgeworfen. VW wolle als "abgeschlagener Lkw-Hersteller mit an die Spitze" und MAN "auf die billige Tour unter seine Kontrolle bringen". VW ist mit 29,9 Prozent größter Aktionär von MAN, aber auch größter Aktionär von Scania   und will eine Lkw-Allianz von MAN, Scania und der VW-Nutzfahrzeugsparte unter seiner Führung schaffen.

Auch Hermes-Fonds-Manager Hans-Christof Hürth rief dazu auf, Piëchs Wahl zu verhindern. "Sein Verständnis von Unternehmensführung und -kontrolle entspricht nicht allgemein anerkannten Prinzipien von Corporate Governance."

Kritik kam auch von Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie warf Piëch ebenfalls schlechten Stil vor kündigte aber an, bei der Wahl nicht gegen ihn zu stimmen. Vor allem warnte sie unter großem Beifall der 1800 anwesenden Aktionäre davor, MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson abzulösen. Er habe das beste Unternehmensergebnis in der Geschichte von MAN vorgelegt und müsse im Amt bleiben.

Samuelsson mit großen Rückhalt

Der scheidende MAN-Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz sagte in Abstimmung mit Piëch: "Herr Samuelsson hat unser volles Vertrauen." Zwischen Gewerkschaften und Piëch gebe es keine schriftlichen Vereinbarungen.

Unter Samuelssons Ägide wuchs der Umsatz nach dem Rekordjahr 2006 von Januar bis April um weitere elf Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Der Auftragseingang schnellte sogar um 21 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro hoch, getragen vor allem von der Nachfrage nach Lastwagen.

Entsprechend selbstbewusst geht MAN in neue Fusionsverhandlungen mit Scania. Samuelsson sprach von "guten Voraussetzungen" für eine einvernehmliche Lösung. "Vor uns steht nun die gemeinsame Suche nach einem neuen Weg zur Kombination von Scania, dem Lkw-Geschäft von VW und MAN auf gleicher Augenhöhe, in der jede Marke ihre eigene Identität behält", sagte er. Die neue Firma könnte als europäische Aktiengesellschaft firmieren, wäre Europas größter Lkw-Hersteller und könnte endlich auch in den Wachstumsmärkten in Asien Fuß fassen. Das entspräche auch den Vorstellungen von VW.

mik/AP