Management-Studie Angst kostet 100.000.000.000 Mark
Köln - Die Langzeitstudie hat ergeben, dass in den Führungsetagen vor allem die Angst vor dem Scheitern grassiert. Da Angst aber nicht zum Image des Machers gehöre, werde sie beharrlich verdrängt - mit fatalen Folgen nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für die Wirtschaft und das Gesundheitswesen, so die Studie.
Allein den deutschen Unternehmen entstehen infolge solcher Ängste jährliche Verluste von 100 Milliarden Mark, wie Professor Winfried Panse und Diplom-Betriebswirt Wolfgang Stegmann vom Fachbereich Wirtschaft der Kölner Fachhochschule errechnet haben.
Besonders schlimm werde es, wenn sie zu Alkohol oder Medikamenten griffen. Allein der Arzneimittelmissbrauch von Managern verursache jährlich Kosten von 20 Milliarden Mark, da von einer Leistungsminderung um 20 Prozent auszugehen sei.
Auf der Angstskala rangiert der Studie zufolge an oberster Stelle die Sorge um den Arbeitsplatz, zu der sich rund 70 Prozent aller über die Jahre hinweg befragten Führungskräfte bekannten. Mit 68 Prozent folgt dicht darauf die Angst vor Krankheit oder einem Unfall. Unter den jüngeren Managern liegt die Rangfolge umgekehrt: Sie fürchten sich am meisten davor, krank zu werden und während dieser Zeit von einem Konkurrenten ausgestochen zu werden. An dritter Stelle steht die Angst davor, Fehler zu machen. Sehr groß ist ferner die Furcht vor einem Verlust der Wertschätzung sowie vor gezielten Falschinformationen von Seiten eines missgünstigen Rivalen.
Gerade letztere Angst ist in den letzten drei Jahren von 32 auf 44 Prozent überproportional gewachsen. Mobbing mache eben auch vor den Führungsetagen nicht halt, wie Diplom-Betriebswirt Stegmann unterstreicht.
Weibliche Führungskräfte stehen der Studie zufolge unter ganz besonderem Druck. Männer dürften auch einmal mit einem Kater ins Büro kommen, wenn der Stress sie zum Trinken getrieben habe. Frauen werde dies dagegen sehr übel genommen. "Wirtschaftsunternehmen sind noch sehr patriarchalisch ausgerichtet", meint Stegmann. Nach seinen Informationen ist der Medikamentenmissbrauch unter weiblichen Managern deshalb auch besonders hoch.
Ein vollkommen angstfreies Arbeitsleben hält Stegmann allerdings für illusorisch und auch gar nicht für wünschenswert: Ohne jegliche Konkurrenz werde letztlich auch jede Kreativität abgetötet.
Annedore Smith