Manager-Einkommen: Wettlauf um das höchste Gehalt - DER SPIEGEL
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Manager-Einkommen Wettlauf um das höchste Gehalt

Das Gesetz sollte dazu beitragen, Manager-Gehälter einzugrenzen - doch es trieb den Wettlauf ungestüm an: Seitdem Unternehmen die Einkommen ihrer Vorstandsmitglieder einzeln veröffentlichen müssen, ist deren Bezahlung drastisch gestiegen.
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Hamburg - Das Eingeständnis kam erst nach einem öffentlichen Trommelfeuer. Die Tragweite seiner Aktienverkäufe habe er nicht bedacht "und das bedauere ich heute sehr", schreibt Post-Chef Klaus Zumwinkel in der Weihnachtsausgabe der hauseigenen Mitarbeiterzeitung "Premium Post". "Ich verstehe die öffentliche Kritik und weiß jetzt, dass der Zeitpunkt inmitten einer intensiven politischen Diskussion falsch war".

Der devote Appell wäre Zumwinkel vor zwei Jahren noch erspart geblieben, denn erst seit 2006 müssen die Konzernbosse detailliert Auskunft über ihre Einkünfte geben. Rot-Grün hatte das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz, kurz: VorstOG nach massiver Empörung über die Rekordabfindung von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und die Debatte um das millionenschwere Gehalt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verabschiedet. Künftig werde allein der Druck der öffentlichen Meinung verhindern, dass die Managergehälter ins Uferlose steigen.

Doch der Fall Zumwinkel belegt auch: Das Gesetz ist nahezu wirkungslos. Im Gegenteil: Nach Überzeugung vieler Experten führt es sogar zu einem noch ungestümeren Anstieg der Saläre.

"Jetzt kann es sein, dass die Frau eines Vorstandsmanagers beim Friseur zu hören bekommt: Warum verdient dein Mann eigentlich viel weniger als seine Kollegen?", sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Zuhause geht's dann anschließend rund."

Kostentreibende Transparenz

Kosten treibend wirkt sich die neue Transparenz aber auch aus, weil sie den Managern ganz neue Argumentationshilfen liefert: Jeder kann nun nachschlagen, welcher Kollege wie viel verdient - und um Auskunft bitten, warum diese in vergleichbaren Positionen im eigenen oder konkurrierenden Konzern besser bezahlt werden. "Mehr Transparenz führt tatsächlich dazu, dass Managergehälter nicht begrenzt werden, sondern stark steigen", sagt Rakesh Kurana, Dozent an der Harvard Business School. "In den USA sieht man diese Entwicklung schon seit Jahren." Früher habe es, wenn überhaupt, Transparenz nur innerhalb eines Unternehmens gegeben. Manager einer Firma mit vergleichbarer Verantwortung hätten daher schon immer ähnlich viel verdient. "Veröffentlichen Unternehmen die individuellen Gehälter, gleicht sich die Bezahlung nun auch über Firmen hinweg an." Da Firmen daran interessiert seien, die besten Leute zu engagieren, komme es zu einem Wettlauf um das höchste Gehalt.

Kurana fordert deshalb: "Je größer die Transparenz bei Manager-Gehältern, desto mehr Mitbestimmungsrecht müssen Anteilseigner bei der Gestaltung der Vorstandsbezahlung haben." Nur so lasse sich der unkontrollierte Anstieg der Manager-Einkommen mildern.

Vorstandsgehälter im internationalen Vergleich niedrig

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht im Falle von mehr Transparenz in der Vorstandsvergütung die Gehälter steigen. "Im internationalen Vergleich sind die Bezüge von deutschen Vorstandsmitgliedern nicht hoch", heißt es dort. Sie würden künftig "sicher noch weiter deutlich ansteigen", trotz der derzeit hitzig geführten Debatte über zu hohe Bezüge.

Vor Inkrafttreten des VorstOG hatte der so genannte Corporate Governance Kodex die Veröffentlichung der individuellen Gehälter nur empfohlen - viele Dax-Konzerne kamen dieser Empfehlung aber nicht nach. Porsche weigert sich bis heute, die Kosten für die Vorstandsmitglieder einzeln auszuweisen - mit einer 75-Prozent-Mehrheit beschloss das die Hauptversammlung und nutzte damit eine Lücke in dem Gesetz.

"Diese Möglichkeit ließ der Gesetzgeber, weil er Sorge hatte, das Gesetz könnte wegen des Eingriffs die Privatsphäre der Manager vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern", sagt Aktionärsschützer Hocker. Im Gegensatz zu anderen Dax-Konzernen habe Porsche diese Lücke nutzen können, weil sämtliche stimmberechtigten Aktien in Familienbesitz seien. Andere Konzerne dürften es schwer haben, eine Mehrheit bei den Anteilseignern dafür zu finden, die einzelnen Bezüge nicht zu veröffentlichen.

Arbeitnehmerseite unter Rechtfertigungsdruck

Selbst eine DSW-Studie belegt, dass die Vorstandsbezüge trotz VorstOG 2006 um durchschnittlich 8,2 Prozent gestiegen sind. Trotzdem hält DSW-Geschäftsführer Hocker das Gesetz für eine gute Lösung. "Früher bekam ein Bankmanager vielleicht eine Million Mark, konnte aber nebenbei durch diverse Geschäfte zusätzlich Kasse machen." Jetzt seien die Einkünfte deutlich transparenter.

Stärker als zuvor müssten sich jetzt auch die Arbeitnehmerseiten in den Aufsichtsräten in der Öffentlichkeit rechtfertigen, warum sie einer Gehaltserhöhung zugestimmt hätten. "Die Arbeitnehmervertreter haben ja gelegentlich im Nachhinein so getan, als hätten sie von den hohen Gehaltssteigerungen nichts gewusst", sagt Hocker.

Den starken Anstieg der Gehälter sieht er nicht als Problem: "Die Konjunktur brummt, und das größte Plus hat es bei der erfolgsabhängigen Vergütung gegeben", sagt Hocker. Sollte es in Zukunft wirtschaftlich wieder bergab gehen, müsste die Bezahlung dann aber wieder sinken. "Wenn das nicht der Fall ist, haben wir einen Fehler im System."