Manager-Extras in den USA Goodbye, Firmenjet
New York - Warren Buffett hatte schon immer etwas dagegen. Im letzten Aktionärsbrief seines Holding-Konzerns Berkshire Hathaway schimpfte der legendäre Investor über die tollen Sonderzulagen für Top-Manager, wie sie heute üblich sind in den USA: Firmenjets, Luxuslimousinen, Mitgliedschaften in Golfclubs. Solche "Exzesse" halte er für "haarsträubend" und "ungeheuerlich", wetterte der als knauserig bekannte Buffett - bei ihm gebe es das nicht.
Damit steht Buffett nicht mehr alleine. Still und leise haben immer mehr US-Firmen begonnen, die Extravaganzen ihrer Chefs zu beschneiden. Freiflüge, Heimcomputer, Steuergeschenke: Verwöhnte Vorstandschefs müssen langsam lernen, sich auch ohne derlei Statussymbole im harten Geschäftsleben durchzuschlagen. Jede achte Firma, so ermittelte das Beraterunternehmen Mercer neulich, habe solche Präsente inzwischen abgeschafft. Und das ist erst der Anfang: "Wir erwarten", so Mercer-Expertin Amy Knieriem, "dass sich der Trend fortsetzt."
Wobei sich die Konzerne kaum freiwillig zu Herzen nehmen, was Aktionärsaktivisten seit langem fordern - dass diese exaltierten Extras längst "mit den Leistungen nicht mehr vereinbar sind", wie es Amy Borrus beklagt, die Vizedirektorin des Councils of Institutional Investors. Der Grund für die plötzliche Einsicht sind neue harte Regeln der Börsenaufsicht SEC, die zum Jahreswechsel in Kraft traten.
Firmen in Erklärungsnot
Unter dem Aktenzeichen RIN 3235-AI80 schreibt die SEC allen Konzernen vor, diese Sonderausgaben im Paket mit allen anderen Finanzleistungen für die Führungsriege fortan explizit zu veröffentlichen, so sie die Bilanz um mehr als 10.000 Dollar belasten. Bisher durften die sogenannten "Perks" von bis zu 50.000 Dollar im Kleingedruckten versteckt oder ganz geheim gehalten werden. Jetzt können sich die Aktionäre also über die Schmeichelgeschenke an die Vorgesetzten frei informieren - eine potentielle Peinlichkeit für die Aufsichtsräte, die solche internen Kungeleien genehmigen.
Die Lektüre der SEC-Regeln offenbart, was in den US-Chefetagen heute so üblich ist. Nicht nur "Firmenjets, Yachten und Pendlerdienste" gehören da zu den Incentives. Sondern auch "private Steuerberatung", "Privatreisen auf Firmenkosten", "Immobilien, die von der Firma bezahlt werden", "Wohnzuschüsse", "Rabatte, die anderen Angestellten nicht zugänglich sind", "Finanzberatung", "Heimcomputer" und, man weiß ja nie, "ärztliche Fitnesstests".
55 Prozent der größten US-Konzerne erlauben einer Mercer-Umfrage zufolge ihren Top-Managern derzeit die freie Benutzung von Firmenjets. 50 Prozent spendieren Gratis-Finanzberatung, 43 Prozent Dienstwagen und 27 Prozent Clubmitgliedschaften. Doch die Zeiten ändern sich: Empörung der Anleger über exorbitante CEO-Gehälter und Abfindungen wie die 213 Millionen Dollar für Henry McKinnell, den scheidenden Chef von Pfizer , bringen die Firmen in Erklärungsnot.
"Sonderleistungen sind ein wichtiger Bestandteil der Vergütung von Top-Managern", räumte SEC-Direktor John White neulich bei einer Rede vor Wirtschaftsjuristen ein. Doch versuche die Behörde der Wirtschaft zu verdeutlichen, dass es hier "ums Prinzip" gehe: "Die Investoren verdienen Offenlegung." Und da das vielen Unternehmen zu unangenehm ist, wird den Chefs der Gürtel enger geschnallt.
Gehaltserhöhung statt Sporttickets
Nach Recherchen des "Wall Street Journal" bezahlen der Ölriese Exxon Mobil und der Rüstungskonzern Lockheed Martin seit 1. Januar keine Country-Club-Gebühren mehr fürs Management. Für Exxons damaligen CEO Lee Raymond betrugen die 2005 noch 67.035 Dollar. Stephen Sanger, der Vorstandschef des Lebensmittelkonglomerats General Mills, bekommt Privatreisen mit dem Firmenjet "nur" noch bis zu 50.000 Dollar geschenkt, alles darüber muss er selbst zahlen. Im vorigen Jahr verflog er 73.001 Dollar. E*Trade greift nicht länger bei Steuerzahlungen unter die Arme.
Werden die US-Konzerne ihre Imagekrise so aber überwinden können? "Wenn sie glauben, dass die vorbeugende Reduzierung der Leistungen sie vor weiterer Überprüfung durch die Shareholder schützt, dann irren sie sich gewaltig", sagte Bankberater Cornish Hitchcock dem "Wall Street Journal". Das findet auch Meredith Miller, die Vizefinanzministerin des Bundesstaats Connecticut: "Der Tag der Abrechnung wird trotzdem noch kommen."
Viele Unternehmen haben derweil sowieso schon andere Hintertürchen gefunden, um ihre Chefs auch weiter fleißig zu verwöhnen. Etwa der Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin: Das Unternehmen strich Vorstandschef Robert Stevens zwar die Jahresbeiträge im Golf-Club und die kostenlosen Tickets für Sport- und Kulturveranstaltungen - gewährte ihm aber zugleich, "um die Reduzierung der Zuschüsse auszugleichen", eine Gehaltserhöhung von 40.000 Dollar auf 1,52 Millionen Dollar.