Manager-Gehälter: "Eine Raffke-Mentalität hat Einzug gehalten" - DER SPIEGEL
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Manager-Gehälter "Eine Raffke-Mentalität hat Einzug gehalten"

Die Diskussion über den Gehaltsverzicht des DaimlerChrysler-Vorstands treibt teils absurde Blüten. Die Parteichefs von SPD und CSU geißeln die Einkommen der Top-Manager, SPD-Vizefraktionschef Stiegler will an die Aktienoptionen ran und der Steuerzahlerbund zielt mal wieder auf die Politikerpensionen.
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Berlin - Bei dieser Debatte wollen alle mitmischen. Nachdem DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp angeboten hatte, sich und seinen Vorstandskollegen das Gehalt zu verringern, wurde dies sofort als Vorlage für populistische Worte genutzt. Laut SPD-Chef Franz Müntefering sind die Millionengehälter von Spitzenmanagern "jenseits aller Moral", CSU-Chef Edmund Stoiber will den Gehaltsverzicht möglichst vieler Top-Manager, um die "soziale Symmetrie" wieder herzustellen.

Heute brachte SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler eine neue Variante ins Spiel. Er hält wenig davon, die Manager-Gehälter an die Interessen der Aktionäre zu koppeln. Derzeit bestehe die Gefahr, dass die Belange der Beschäftigten "total untergebuttert werden", sagte er dem ZDF. Bei der Bezahlung von Top-Managern sind seiner Ansicht nach bereits "amerikanische Verhältnisse eingerissen". Das Gehalt des Managements solle nicht mehr an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt werden, sondern etwa an die Zahl der Ausbildungsplätze, den Umsatz oder Neuentwicklungen. Das Angebot der Manager von DaimlerChrysler, auf zehn Prozent ihrer Bezüge zu verzichten, bezeichnete Stiegler als "peanuts".

Ludwig Georg Braun begrüßt dagegen den Schritt der DaimlerChrysler-Führung: "Mit einem Gehaltsverzicht schärft das Management das Bewusstsein für die akuten Wettbewerbsprobleme von Arbeitsplätzen am Standort Deutschland", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Braun forderte, die Manager-Gehälter noch stärker als bisher am Erfolg des Unternehmens auszurichten: "Eine finanzielle Beteiligung des Managements am Erfolg und auch am Misserfolg des Unternehmens muss in Deutschland stärker als bisher gängige Praxis werden." Eine flächendeckende Senkung der Manager-Einkommen lehnte der DIHK-Präsident aber ab. Mehr denn je sei die deutsche Volkswirtschaft darauf angewiesen, Führungspositionen mit Top-Leuten zu besetzen. Nach den Gesetzen des Marktes sei dafür eine attraktive Vergütung erforderlich.

Aktionärsschützer: "Manager verlieren Bodenhaftung"

Nach Ansicht von Aktionärsschützern ist die Bezahlung von Managern allerdings häufig nicht durch deren Leistungen gerechtfertigt. Die Geschäftsführerin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Reinhild Keitel, sagte der "Berliner Zeitung": "Mit Sicherheit hat unter deutschen Managern eine Raffke-Mentalität Einzug gehalten." Insbesondere die Einkommenssprünge, die über Aktienoptionen erzielt würden, stünden oft in keinem Verhältnis zu den unternehmerischen Leistungen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, sagte dem Blatt, bei den Gehältern drohten einige Manager die Bodenhaftung zu verlieren. Er sehe den sozialen Frieden in der Gesellschaft nachhaltig bedroht, wenn sich auf der einen Seite Vorstände kräftig die Gehälter erhöhen würden, auf der anderen Seite aber die Arbeitnehmer Einbußen hinnehmen sollten.

Steuerzahlerbund verlangt Abschläge bei Politikerpensionen

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) nutzte die Debatte über Manager-Gehälter, um Abstriche bei der Bezahlung von Politikern zu fordern: "Wenn sich die Politik in die Debatte um die Manager-Gehälter einschaltet, muss sie sich auch selbst fragen, welchen eigenen Beitrag sie leisten kann", sagte BdSt-Präsident Karl Heinz Däke der "Neuen Presse" in Hannover. "Die Abstriche bei der Rente würden sicher eher akzeptiert werden, wenn Politiker endlich ihre Luxus-Altersversorgung verändern", sagte er. Das Pensionsniveau von Ministern sei viel zu hoch, bei einem Bundesminister könne das Ruhestandsgehalt derzeit bis zu 9168 Euro betragen. Nach nur zwei Amtsjahren könne ein Minister schon mit Altersbezügen in Höhe von 1966 Euro rechnen, nach vier Jahren seien es 3566 Euro, rechnete Däke vor.

Das allerdings findet Wilhelm Schmidt, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, unsachlich: "Um den Betrag zu erreichen, auf den Herr Schrempp mal eben verzichten will, muss ein Parlamentarier über acht Jahre Mitglied des Bundestages sein", sagte er.

Die Manager-Gehälter waren zuletzt wieder in die Diskussion gekommen, nachdem der DaimlerChrysler-Vorstand sich bereit erklärt hatte, im Streit über ein gefordertes Sparpaket für das Stammwerk von Mercedes in Sindelfingen auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten. Wie es in bisher unbestätigten Medienberichten heißt, ist eine Absenkung der Vorstandsgehälter um zehn Prozent im Gespräch. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert verlangt von der Belegschaft in Sindelfingen allerdings Lohnverzicht und Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und will damit die Kosten um rund 500 Millionen Euro jährlich senken.