Manager-Gehalt Daimler-Chef Zetsche will sein Salär veröffentlichen
Stuttgart - In dem heute vorgelegten Geschäftsbericht von DaimlerChrysler heißt es, für das Geschäftsjahr 2006 würden die Vorstandsbezüge erstmals individuell ausgewiesen. Damit folge man dem Gesetz zur Offenlegung der Gehälter. Der neue Vorstandschef Dieter Zetsche hatte bereits Ende Januar erklärt, er habe nichts gegen die Veröffentlichung seines Gehalts, sondern halte dies für richtig.
Für das Jahr 2005 bleibt es noch bei der Paketlösung. Demnach haben die zehn Vorstandsmitglieder des Autokonzerns im vergangenen Jahr zusammen 34,9 Millionen Euro verdient. Ein Jahr zuvor waren für elf Vorstände noch 31,6 Millionen Euro ausgezahlt worden. Die Gehälter setzten sich 2005 aus 9,3 Millionen Euro fixen und 25,6 Millionen Euro erfolgsbezogenen Komponenten zusammen.
Mit der Ankündigung passt sich DaimlerChrysler der Mehrheit der im Leitindex Dax notierten Unternehmen an. Beim Gros der Konzerne ist der Einzelausweis bereits gängige Praxis. Bei DaimlerChrysler hatte sich bislang Aufsichtsratschef Hilmar Kopper gegen eine individuelle Offenlegung der Gehälter des Top-Managements ausgesprochen.
Dem aktuellen Geschäftsbericht zufolge erhielt Kopper selbst als Aufsichtsratsvorsitzender im vergangenen Jahr 243.700 Euro. Sein Stellvertreter, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm, bekam 168.700 Euro. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erklärten, ihre Vergütung nach den Richtlinien des DGB an die gewerkschaftseigene Hans-Böckler-Stiftung abzuführen. Dem hat sich auch der amerikanische Gewerkschaftsvertreter Nate Gooden angeschlossen.
Gleichzeitig räumte der Autokonzern in einem Bericht an die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine Reihe von Korruptionsfällen ein. Bei internen Untersuchungen seien "unkorrekte Zahlungen" in Afrika, Asien und Osteuropa aufgedeckt worden, heißt es darin. Der SEC wurden die Ergebnisse der Nachforschungen heute offiziell zugeleitet.
In den USA ermitteln SEC und Justizministerium, ob DaimlerChrysler gegen amerikanische Anti-Korruptionsgesetze verstoßen hat. Wie viele Mitarbeiter entlassen oder vom Dienst freigestellt worden sind, wurde nicht mitgeteilt. Unternehmenssprecher Thomas Fröhlich erklärte, Konzernchef Dieter Zetsche und Finanzvorstand Bodo Uebber hätten Maßnahmen ergriffen, um ein ethisches und transparentes Verhalten von Mitarbeitern sicherzustellen.
Bei den Vorfällen gehe es unter anderem um Steuerverbindlichkeiten, falsche Klassifizierungen und falsche Verbuchungen.
Mercedes verkauft mehr Autos, Smart bleibt schwach
Unterdessen vermeldet der weltweit fünftgrößte Autokonzern bei der krisengeschüttelten Mercedes Car Group ein Absatzplus. DaimlerChrysler teilte mit, die Pkw-Markengruppe habe im zurückliegenden Monat weltweit 83.800 Autos ausgeliefert, 16 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Getragen wurde der jüngste Schub von der Premiummarke Mercedes-Benz, die ein Absatzplus von 23 Prozent auf 76.100 Fahrzeuge verbuchte.
Der Kleinwagen Smart enttäuschte dagegen erneut. Die Verkäufe an Endkunden sanken um rund 26 Prozent auf 7700 Fahrzeuge. Eine Begründung für den abermaligen Absatzeinbruch nannte der Konzern nicht. Im Januar hatte ein im Jahr 2004 verbuchter Großauftrag die Verkaufsstatistik verhagelt. In den ersten beiden Monaten summiert sich der Absatzrückstand zum Vorjahreszeitraum mit 16.000 Fahrzeugen auf 27 Prozent.
DaimlerChrysler-Chef Zetsche hat der seit Jahren unprofitablen Kleinstwagen-Tochter Zeit bis zum Jahr 2007 gegeben, um erstmals Profite zu erwirtschaften. Andernfalls droht der Marke das Aus.
suc/reuters/dpa/AP