Manager und Moral: Industrie-Bosse verstoßen Steuerhinterzieher - DER SPIEGEL
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Manager und Moral Industrie-Bosse verstoßen Steuerhinterzieher

Die Industrie stellt sich auf die Seite der Finanzbehörden: Wer Steuern hinterziehe, "gehört nicht mehr dazu", sagt BDI-Chef Thumann. Bei einem Treffen mit der Kanzlerin betonen die Bosse Verantwortung und Ethik - nur vom Job-Kahlschlag bei BMW und Co. spricht keiner.
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München - Es war ein Gipfeltreffen der Super-Bosse. Auf der Internationalen Handwerksmesse in München kam die Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft zusammen, um mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sprechen. Die Teilnehmer: Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, Industriepräsident Jürgen Thumann, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, und Handwerkspräsident Otto Kentzler.

Offizielles Hauptthema der illustren Runde waren die Reformbemühungen der Regierung. Tatsächlich ging es um etwas anderes: die Moral in der Wirtschaft.

Noch nie standen deutsche Manager so in der Kritik wie in diesen Tagen. Dicke Gehälter, Steuerhinterziehung - und dann auch noch massenweise Stellenstreichungen bei BMW, Henkel oder Siemens. In dieser Situation ging es der Wirtschaft heute vor allem um eins: Schadensbegrenzung.

In aller Deutlichkeit attackierte BDI-Chef Thumann den ehemaligen Chef der Deutschen Post, Klaus Zuminkel, der über die Steueraffäre gestürzt war. Zumwinkels Namen erwähnte Thumann zwar nicht, er stellte aber klar, dass man sich an die geltenden Gesetze halten müsse. "Wer das nicht akzeptiert, gehört nicht mehr dazu", sagte Thumann auf einer Pressekonferenz nach dem Spitzengespräch.

Mehr noch: Der Fall Zumwinkel, sagte Thumann, stelle eine Gefahr dar für die gesellschaftliche Ordnung. "Der Vorfall ist für die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems verheerend." Gerade Manager müssten "Verantwortung" und "Ethik" hochhalten. "Wir Unternehmer müssen uns an sehr hohen Maßstäben messen lassen." Allerdings warnte Thumann davor, die gesamte Wirtschaft unter Generalverdacht zu stellen. "Es geht nicht um die soziale Marktwirtschaft an sich, sondern um individuelles Fehlverhalten."

Zum geplanten Jobabbau bei BMW und Co. äußerte sich Thumann nicht - auf der Pressekonferenz waren ohnehin nur wenige Fragen zugelassen. Stattdessen widmete sich der Industrieboss seinem Lieblingsthema: "Mehr Netto, mehr Wachstum". Thumann forderte die Kanzlerin zu einer umgreifenden Steuerreform auf. Die Progression bei der Einkommensteuer müsse flacher verlaufen, der Solidaritätszuschlag gehöre komplett abgeschafft.

Und, vor allem: Die Große Koalition müsse auf Reformkurs bleiben. "Experimente wie beim Mindestlohn", sagte Thumann, "sind leichtsinnig."

Merkel konterte die Kritik. "Ich sehe im Augenblick keinen Raum für steuerliche Entlastungen", sagte sie. Bis 2011 wolle die Bundesregierung einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen - da könne es keine Geschenke geben.

Nach dem Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar betonte Merkel, dass 3,5 Millionen Arbeitslose immer noch zu viel seien. Mit einer schnellen Besserung rechne sie aber nicht. "Ich bin der Meinung, dass möglichst viele in unserem Land, eigentlich alle, am Aufschwung teilhaben sollen." Dies könne man aber "nur Schritt für Schritt erreichen".

Die Moraldebatte streifte Merkel ebenfalls, wenn auch nur kurz. "Wir haben sehr viele Fragen an die soziale Marktwirtschaft als Gesellschaftsform", sagte sie, ohne näher darauf einzugehen. "Soziale Marktwirtschaft braucht motivierte Unternehmer - aber auch motivierte Arbeitnehmer." Die geplanten Stellenstreichungen der deutschen Großkonzerne erwähnte Merkel nicht.

wal