Managergehälter Dax-Vorstände wollen dichthalten
Frankfurt am Main - "Das ist ein Missbrauch, der den ganzen Kodex in Frage stellt", empört sich Theodor Baums in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Vorsitzende der Regierungskommission "Corporate Governance" hatte mitbekommen, dass die meisten im Dax notierten Unternehmen einen Schweigepakt geschlossen haben, damit die Vergütung einzelner Vorstandsmitglieder nicht ans Licht kommt. Baums zufolge ist diese "Kartellabsprache" ein klarer Verstoß gegen eine entsprechende Empfehlung des Deutschen Corporate-Governance-Kodex, der die individualisierte Offenlegung vorsieht.
Baums erwartet nun eine gesetzliche Regelung. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries habe völlig Recht mit ihrer Ankündigung, nur noch ein oder zwei Jahre abzuwarten, ob die börsennotierten Aktiengesellschaften freiwillig die Bezüge ihrer Vorstände publizierten. Die Ministerin selbst sprach sich im "Tagesspiegel" dafür aus, Managergehälter an die Einkommensentwicklung in den Betrieben zu koppeln. Gesetzliche Regelungen dazu halte sie aber nicht für nötig.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) plant dem "Handelsblatt" zufolge im September eine Arbeitnehmerkonferenz für Aufsichtsräte von Dax- und MDax-Unternehmen, auf der die Beratung von Vergütungsfragen ein Schwerpunkt ist. Die Gewerkschafter wollten die Gehaltsdebatte nicht unter einem Neidaspekt führen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel. "Der Kern des Problems ist nicht die bloße Höhe, sondern die Tatsache, dass die Vergütungen auf fehlerhaften Zielvorgaben aufbauen." Statt kurzfristiger Finanzmarktziffern müsse die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung in den Mittelpunkt gerückt werden. Auch der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber kündigte an, die bisherige Zurückhaltung in den Aufsichtsräten aufzugeben und bei den Managergehältern mit einer deutlichen Stimme zu sprechen.
Im Topmanagement müsse sich die Bezahlung stärker am Erfolg orientieren, forderte außerdem Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. "Das werden wir zum Thema machen." Die Arbeitnehmer wollen erreichen, dass die Vorstandsbezüge im gesamten Aufsichtsrat diskutiert werden und nicht in den Präsidial- und Personalausschüssen. "Entscheidend ist, dass sich der Aufsichtsrat als Ganzes seiner Verantwortung stellt", sagte Uwe Foullong, der die Gewerkschaft Ver.di im Aufsichtsrat der Commerzbank vertritt.