Managerposten Nach der Karriere ist vor der Karriere
Hamburg - Bei Bernd Pischetsrieder, 59, muss man eigentlich von zwei Karrieren sprechen. Er schaffte es auf die Chefsessel von zwei deutschen Autokonzernen. Der Bayer war von 1993 bis 1999 Vorstandschef von BMW , von 2000 bis 2006 Mitglied des Volkswagen -Vorstands, ab 2002 als Vorsitzender. Sein Name taucht inzwischen auf der bunten Liste der potentiellen Nachfolger von Noch-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auf.
Ein weiterer Name, der gelegentlich genannt und verworfen wird, ist Wolfgang Bernhard, 46: Der arbeitete in den Vorständen zwei großer deutscher Konzerne: bei DaimlerChrysler und bei Volkswagen. In beiden Unternehmen schaffte er es, wohl auch wegen seiner ruppigen Art, nicht bis zur Spitze - beide Unternehmen verließ er nach internen Auseinandersetzungen. Seit seinem Ausscheiden bei Volkswagen Ende Januar 2007 ist er Berater beim Finanzinvestor Cerberus Capital Management.
"Wer zur kleinen Schar der Manager aus der Deutschland AG gehört, muss auf einen neuen Job nicht lange warten", sagt Lothar Heimeier von der Stuttgarter Management- und Personalberatung Dr. Heimeier & Partner. "Das gilt auch für Herrn Kleinfeld, bei dem persönlich keine Schuld für die Siemens -Schmiergeldaffäre zu erkennen ist." Bei Kleinfeld müsse kein Personalberater aktiv werden - "der muss nur ein bisschen warten, vielleicht ein halbes Jahr, bis sich eine Option für ihn auftut", sagt Heimeier. Kleinfeld sei mit 49 Jahren "in dem allerbesten Alter für weitere Herausforderungen".
Aber auch ein Manager Mitte oder Ende fünfzig habe auf dieser Ebene gute Chancen auf einen neuen Job, siehe Pischetsrieder. Ab 60 allerdings wird es mitunter schwierig, vor allem, wenn das letzte Ausscheiden aus einem Vorstand aus Altersgründen erfolgte wie zum Beispiel im Fall des früheren BMW-Chefs Helmut Panke, der die BMW-interne Altersgrenze für Manager von 60 Jahren erreichte und daher gehen musste, obwohl er nicht wollte. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Als Ron Sommer im Juli 2002 den Chefsessel räumte, übernahm Helmut Sihler. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 72 Jahre alt. Allerdings war er als Interimskandidat vorgesehen, vier Monate später übergab er an Kai-Uwe Ricke.
Schwieriger sei es dagegen für Manager aus der zweiten Reihe oder aus mittelgroßen Unternehmen, sagt Heimeier. "Von denen ist nicht jeden Tag in der Presse die Rede." Von Herrn Kleinfeld wisse nun ja jeder, dass er zu haben ist. "Wer ihn beschäftigen will, weiß ihn schon zu kontaktieren - wenn das kein Dax -Konzern ist, dann meldet sich vielleicht eine Investmentgesellschaft."
Die Debatte um die Kleinfeld-Nachfolge zeige, wie klein der Kreis der Personen ist, die für solche Jobs in Frage kämen. "Es gibt eben nicht allzu viele Leute auf dieser Ebene, es kommen höchstens zehn in Frage", sagt der Personalberater. Dabei achte man, wie im Fall Bernhard, nicht einmal mehr auf die Branche, aus der der Kandidat stammt, sondern einzig auf die nötige Managementerfahrung.