Managerregeln BDI-Präsident nennt Regierung dilettantisch
Berlin - Die Große Koalition will Manager an die kurze Leine nehmen - und Hans-Peter Keitel tobt deswegen: "Bei diesem Thema spiegelt sich die ganze Verzweiflung der Politik wider, Populismus in untaugliche gesetzliche Regelungen zu übertragen", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) dem "Handelsblatt".
Was Union und SPD vorige Woche zu ihren ursprünglichen Vorstellungen noch ergänzt haben, sei "voller abenteuerlicher Ungereimtheiten" - schierer "Dilettantismus".
Nach Vorstellungen der Koalition sollen Manager künftig mit dem eigenen Gehalt für Fehler im Unternehmen geradestehen. Union und SPD wollen, dass Unternehmenslenker den Schadenersatz nicht vollständig auf Versicherungen abwälzen können. Sie sollen sich mindestens in Höhe eines Jahresgehalts selbst beteiligen.
Justizministerin Brigitte Zypries sieht künftig vor allem die Aufsichtsräte in der Pflicht. Diese müssten Schadenersatzansprüche künftig auch tatsächlich geltend machen, sagte sie dem "Tagesspiegel".
Die Koalitionspläne, die noch vor der Sommerpause vom Bundestag beschlossen werden sollen, sehen außerdem vor, dass Aufsichtsräte Managerbezüge bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten kürzen können. Aktienoptionen sollen Vorstände erst nach vier statt zwei Jahren einlösen können. Für zu hohe Vergütungen haftet künftig der Aufsichtsrat. Erfolgsabhängige Bestandteile von Vergütungen sollen erst am Ende der Vertragsdauer ausgezahlt werden.
Nach Ansicht von BDI-Chef Keitel kann die Politik unternehmerische Entscheidungen über die Vergütung von Managern "nicht für alle 14.000 deutschen Aktiengesellschaften bis ins Detail verrechtlichen". Man müsse auch fragen, welche Unternehmer den nächsten Aufschwung nach der Krise bewerkstelligen sollten.
Die große Koalition reagiert mit den Eingriffen in die Vergütung und Haftung von Managern auf die Finanzmarktkrise und Debatten über die Millionengehälter von Vorstandschefs. Die meist auf kurzfristigen Unternehmenserfolg ausgerichteten Vergütungssysteme werden dafür mitverantwortlich gemacht, dass gerade Bankmanager hohe Risiken eingegangen sind und damit die Krise mitverursacht haben. Auch Bundespräsident Horst Köhler kritisierte am Wochenende in einem Interview die Wirtschaftselite. Diese solle nicht überempfindlich auf Kritik reagieren, denn sie sei mitverantwortlich für die Krise.