Mannesmann Atecs: Essers letzter Kampf - DER SPIEGEL
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Mannesmann Atecs Essers letzter Kampf

Anzeigenkampagnen, "Weiße Ritter", kolportierte Kaufangebote - das Verteidigungsarsenal, das Mannesmann Atecs gegenwärtig ins Feld führt, kommt dem Beobachter bekannt vor. Wie einst bei der Übernameschlacht gegen Vodafone versucht Mannesmann-Chef Klaus Esser den Restkonzern vor dem Verkauf zu retten.
Von Rüdiger Ditz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Seit Tagen schon fährt Atecs, die Maschinenbau- und Autozulieferersparte von Mannesmann, eine große Werbekampagne in der Presse - versehen jeweils mit dem Zusatz "Demnächst an der Börse". Doch die für Juni vorgesehene Handelsaufnahme der A-Aktie ist unsicherer denn je. Ein Übernahmeangebot des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp für Atecs, angeblicher Kaufpreis acht Milliarden Euro, könnte das Going-Public noch verhindern.

Am Freitag überschlugen sich die Ereignisse. Kurzfristig wurde die für den Nachmittag vorgesehene außerordentliche Aufsichtsratssitzung von Atecs verschoben. Bei dem Treffen der Kontrolleure sollten eigentlich drei Themen behandelt werden: der Börsengang, das geplante Joint Venture der Atecs-Automobilsparte VDO mit Siemens und das Übernahmeangebot von Thyssen-Krupp. Sollte der Aufsichtsrat den VDO-Deal beschließen, wäre der Düsseldorfer Stahlkonzern aus dem Rennen, weil Siemens im ausgehandelten Vertrag ein Vorkaufsrecht für Atecs eingeräumt wird, hieß es am Morgen, als die Thyssen-Offerte noch nicht vorlag. Inzwischen wird auch der größte US-amerikanische Autozulieferer Delphi als Atecs-Interessent genannt.

Der Chef des Mannesmann-Mutterkonzerns Vodafone, Chris Gent, hat vor der juristischen Übernahme Mitte April noch keine direkten Zugriffsrechte auf Atecs. Er hatte sich zwar für den Börsengang ausgesprochen. Ihm wird aber nachgesagt, dass er inzwischen die Thyssen-Krupp-Übernahme bevorzugen würde. Dagegen stehen vor allem Esser und sein Vorgänger, Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk. Sie wollten bereits vergangene Woche das Siemens-VDO-Geschäft absegnen lassen. Aber auch dieser Aufsichtsratstermin wurde verschoben - auf Betreiben Gents?

"Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass nur ein Börsengang die richtigen Voraussetzungen für weiteres Wachstum bringen wird", sagt Mannesmann-Sprecher Manfred Söhnlein. "Die geschäftlichen Aktivitäten von Atecs Mannesmann und Thyssen-Krupp passen nicht zusammen", hatte der Konzern zuvor mitgeteilt.

Über den möglichen Verkauf von Atecs zermartern sich auch die Arbeitnehmervertreter die Köpfe: Dieter Kroll, Chef des Konzernbetriebsrates von Thyssen-Krupp, spricht sich für den Kauf aus: "Die industriepolitische Wirkung einer Zusammenarbeit bringt für alle Beteiligten Vorteile", sagt er. Ganz anders sieht das Hermann-Josef Schmidt, Arbeitnehmervertreter im Mannesmann-Aufsichtsrat: "Dem trauen wir nicht, hinter den Plänen können wir kein industriepolitisches Konzept erkennen."