Mannesmann Eklat bei der Hauptversammlung
Düsseldorf - Die britische Mobilfunkgruppe Vodafone hat bei ihrem offiziellen Einstand im Mannesmann-Aktionärskreis massive Kritik hinnehmen müssen. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jörg Pluta, sprach von einem "schlechten Einstand". Vodafone-Chef Chris Gent war trotz seiner Funktion als neuer Mannesmann-Aufsichtsratschef nicht zu der Hauptversammlung in Düsseldorf erschienen. Er ließ sich mit Verweis auf andere Termine entschuldigen. Aus dem Kreis der 300 angereisten Kleinaktionäre wurde das Verhalten Gents als Affront bewertet. Dem schloss sich auch der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, an.
"Wir sind keine Statisten. Wir lassen uns von Vodafone nicht an der Nase herumführen", betonte Zwickel als Aufsichtsratsmitglied der Mannesmann AG. Gemeinsam mit den anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat will Zwickel die Bestellung des designierten Mannesmann-Chefs Julian Horn-Smith verhindern. Zur Begründung nannte Zwickel die erkennbar fehlende Absicht der Vodafone-Führung, Düsseldorf als wichtiges Standbein in Europa zu erhalten. Inzwischen werde immer klarer, dass alle Entscheidungen in der englischen Vodafone-Zentrale fallen sollen. Horn-Smith wurde erst zum Vorstandsvorsitzenden bestellt, nachdem er schriftlich versichert hatte, dass Düsseldorf das zweite Standbein von Vodafone in Europa bleibt.
Scharfe Kritik übten Aktionärsvertreter auch an der Zerschlagung des Traditionskonzerns. Vodafone habe "alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist", sagte DSW-Geschäftsführer Pluta. Offenbar brauche Vodafone dringend Geld, um kostspielige UMTS-Lizenzen zu zahlen.
Aktionärsvertreter forderten außerdem eine außerordentliche Hauptversammlung, in der über den Verkauf der britischen Mobilfunktochter Orange an die France Télécom entschieden werden müsse. Der scheidende Vorstandsvorsitzende von Mannesmann, Klaus Esser, verteidigte den Verkauf von Orange. Er sei wegen Wettbewerbsauflagen der EU-Kommission zwingend notwendig gewesen. "Orange ist keine Geldbeschaffungsaktion", betonte Esser. Allerdings habe das Mannesmann-Management den Wünschen der Vodafone-Führung entsprechen müssen und nicht frei handeln können, räumte er ein. Seiner Meinung nach besteht kein Anlass, die Aktionäre über Orange entscheiden zu lassen. Diese hätten bereits bei der Übernahme von Vodafone von dem anstehenden Verkauf gewusst.