Mannesmann Esser bereut nichts
Düsseldorf - Eigene Fehler in der Übernahmeschlacht mit Vodafone wollte Klaus Esser auch bei seiner letzten Vorstellung nicht eingestehen. Auf der Hauptversammlung verkaufte er die Zerschlagung von Mannesmann als Erfolg: "Gewinner am Ende all dieser Stürme sind die Aktionäre von Mannesmann!", sagte er. Die Übernahmeschlacht mit dem britischen Telekommunikationsunternehmen Vodafone habe den Mannesmann-Aktionären allein in den letzten 13 Wochen der Auseinandersetzung eine Wertsteigerung von 100 Milliarden Euro beschert, so Esser.
Er rechtfertigte auch den Verkauf der Industriesparte Atecs an Bosch/Siemens. Die Übernahme biete ein überzeugendes Konzept für die Zukunft von Atecs. Der Erwerb und Wiederverkauf des britischen Mobilfunkunternehmens Orange habe den Aktionären einen Gewinn von neun Milliarden Euro eingebracht.
Esser, der mit Ablauf der Hauptversammlung aus dem Vorstand ausscheidet, bat die Aktionäre um ihre Zustimmung für den Verkauf von Atecs. Der scheidende Vorstandsvorsitzende nannte das Aktionärstreffen eine "Hauptversammlung des Abschieds". Mittlerweile seien 99 Prozent der Aktionäre durch Aktienumtausch oder durch Verkauf ihrer Papiere ausgeschieden.
Hier konnte sich Esser einen Seitenhieb auf Vodafone-Chef Chris Gent nicht verkneifen. "Nach unserem Eindruck hat der weit überwiegende Teil der Privatanleger und Belegschaftsaktionäre seine Aktien nicht in Vodafone-Aktien getauscht, sondern gegen Geld verkauft", sagte er. Gent war der Hauptversammlung ferngeblieben.
Der aufgespaltete Mannesmann-Konzern ist mit einem beschleunigten Wachstumstempo ins neue Jahr gestartet. Allein die Telekom-Sparte verbuchte nach Konzernangaben in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 142 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.
Zum ohnehin starken Wachstum des Mobilfunkanbieters Mannesmann D2 (43 Prozent) und der Festnetzgesellschaft Mannesmann Arcor (18 Prozent) wirke sich die Übernahme der Anbieter Omnitel und Infostrada in Italien sowie der deutschen o.tel.o auf die Bilanz aus, so Esser. Mannesmann D2 habe seit Jahresanfang monatlich mehr als 600.000 neue Kunden gewonnen. Nun telefonierten über 13 Millionen Kunden im D2-Netz.
Die Industriesparte Atecs erzielte in den ersten vier Monaten ein Umsatzplus von elf Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.