Mannesmann Heftiger Streit um Abfindungen
Frankfurt/Main - Klaus Zwickel bezichtigte die Ermittler am Donnerstag der Voreingenommenheit. Er bezeichnete die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Untreue als grundlos, räumte aber zugleich ein, er hätte bei der Vergabe der Gelder mit "nein" stimmen sollen.
Die Linie der Staatsanwaltschaft sei klar, sie wolle frühere Mannesmann-Manager und Aufsichtsratsmitglieder auf die Anklagebank bringen, sagte Zwickel in Frankfurt am Main. Der Gewerkschaftschef kritisierte, erneut seien wesentliche Teile der Ermittlungsunterlagen den Medien gezielt zugespielt worden. Er habe in die Objektivität und Neutralität der ermittelnden Staatsanwälte kein Vertrauen. Offensichtlich gehe es gar nicht mehr um die Höhe der Bonuszahlungen, sondern um die Befriedigung eines Jagdfiebers einiger selbst ernannter Moralisten. Zwickels Rechtsanwalt hatte sich bereits am Mittwoch für die Ablösung der beiden Staatsanwälte ausgesprochen.
Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, an der Qualifikation der Ermittler zur objektiven Bewertung des Verfahrens gebe es keine Zweifel. Es bestehe nicht die geringste Veranlassung, sie abzulösen. Zudem habe die Staatsanwaltschaft keinerlei Interesse daran, Ermittlungsergebnisse vorzeitig zu veröffentlichen.
Zwickel nennt Stimmenthaltung Fehler
Zwickel schloss einen Rücktritt aus, räumte aber erneut ein, es wäre besser gewesen, er hätte seine negative Einstellung zu den Zahlungen mit einer klaren Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Zwickel hatte sich bei der Vergabe der Millionen-Zahlungen der Stimme enthalten. Damals habe ihm die Enthaltung ausreichend erschienen, sagte der IG-Metall-Chef. Unmittelbar nach der Übernahme durch Vodafone im Februar 2000 soll es Abfindungszahlungen von rund 200 Millionen Mark (rund 103 Millionen Euro) zu Lasten von Mannesmann gegeben haben. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sowie weiteren früheren Managern und Aufsichtsräten des Unternehmens droht eine Anklage wegen Untreue.
Zwickel sagte, der gegen ihn erhobene Vorwurf der Untreue entbehre jeder Grundlage: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt unsauberen Geschäften bei Mannesmann zugestimmt, ich habe keine Entscheidungen getroffen, die den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Untreue rechtfertigen." Er habe weder der Millionen-Prämie für den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser noch anderen Entscheidungen zugestimmt, die den Vorwurf der Untreue rechtfertigten. Zwickel betonte, er habe sich in jeder Beziehung korrekt verhalten, auch moralisch, und deshalb bleibe er Vorsitzender der IG Metall.
Politiker aus Union und FDP forderten in der "Bild"-Zeitung Zwickels und Ackermanns Rücktritt. Die beiden ehemaligen Gremien-Mitglieder seien ertappt worden und sollten zurücktreten, sagte der Finanzexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Hans Michelbach. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle habe Zwickel nahe gelegt, sich zu fragen, "ob er noch an der richtigen Stelle ist", berichtet das Blatt.