Mannesmann-Prozess: Ackermann-Verteidiger schon in Siegerpose - DER SPIEGEL
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Mannesmann-Prozess Ackermann-Verteidiger schon in Siegerpose

Mit der Vernehmung der Wirtschaftsprüfer von KPMG ist eine der wichtigsten Phasen im Mannesmann-Prozess zu Ende gegangen. Die Anwälte Josefs Ackermanns zeigen sich ungewöhnlich selbstsicher. Peinlich waren die Aussagen aber für den früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk.
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Düsseldorf - Am Ende des 14. Verhandlungstages inszenierte sich Eberhard Kempf schon einmal als Gewinner. "Von den zum Teil berechtigten Bedenken ist nichts übrig geblieben", sagte der Verteidiger des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann nach der Vernehmung von fünf Wirtschaftsprüfern.

Alle wesentlichen formalen Einwände der Prüfer gegen die strittigen Millionenzahlungen an Manager wie den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser seien bereits im Jahr 2000 ausgeräumt worden - das hätten die Aussagen ergeben. Ackermann, damals Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates, habe von den Bedenken erst erfahren, als die Mängel bereits beseitigt worden seien.

Auch Esser-Anwalt Sven Thomas zeigte sich zuversichtlich: Die Prüfer hätten die umstrittenen Millionen-Zahlungen letztlich für vertretbar gehalten. Sie hätten Mannesmann sogar geholfen, erste formell nicht korrekte Beschlüsse zu den Prämien wirksam zu machen und damit faktisch die Prämie Essers gefördert. Die Verteidiger des ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsrats und früheren IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel sowie des ehemaligen Leiters der Mannesmann-Personalabteilung, Dieter Droste, teilten diese Auffassung.

"Eigenschaften von Marathonläufern und Sprintern vereinigen"

Die Verteidigung versucht so, den Boden für das so genannte Rechtsgespräch zu bereiten. Zu diesem hat die Vorsitzende der Strafkammer, Brigitte Koppenhöfer, die Prozessparteien für den 31. März gebeten. Dann wollen die Parteien eine Zwischenbilanz zum Stand der Beweisaufnahme ziehen.

Vor allem Ackermanns Anwälte hoffen, eventuell gegen Zahlung einer Geldsumme dann ein schnelles Ende des Prozesses erreichen zu können. Die Anwälte Klaus Essers zielen aber auf eine vollständige Rehabilitierung ihres Mandanten. Kempf antwortete ausweichend auf die Frage, ob er mit einem schnellen Ende des Prozesses rechnet. "Wir müssen die Eigenschaften von Marathonläufern und Sprintern vereinigen."

Die vergangenen beiden Prozesstage galten als eine Schlüsselphase des Prozesses. Insgesamt fünf Mitarbeiter der KPMG hatten ausgesagt. Die umstrittenen Anerkennungsprämien waren nach Aussage eines der Wirtschaftsprüfer "rechtliches Neuland". Die Kommentierung des Aktiengesetzes habe im Jahr 2000 keinerlei Hinweise auf solche Prämien enthalten, so der KPMG-Risikomanager Michael Gewehr. Auch für die KPMG seien solche Prämien im deutschen Rechtskreis neu gewesen, "obwohl uns die Gebräuche und Gepflogenheiten der Großindustrie sehr bekannt sind".

"Klarer kann man gegen das Aktiengesetz nicht verstoßen"

Deshalb habe KPMG eine "besonders sorgfältige Prüfung" der entsprechenden Protokolle vorgenommen - mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaftsprüfer einschritten und die Zahlungen zunächst gestoppt wurden. "Uns war klar, dass wir intervenieren mussten. Eine Auszahlung hätte die Angelegenheit nur verbösert", sagte Gewehr. Ebenso unklar sei gewesen, inwieweit die Empfehlung der Prämien von Seiten des Großaktionärs der Mannesmann AG, Hutchison Whampoa, und des späteren Mehrheitsaktionärs Vodafone mit dem Aktiengesetz zu vereinbaren sei. Formale Fehler seien aber später korrigiert worden.

Scharfe Kritik übten die Wirtschaftsprüfer am früheren Aufsichtsratschef Joachim Funk. Dessen Versuch, sich selbst eine Prämie von 4,5 Millionen Euro zuzubilligen, habe einen eklatanten Fall von Selbstbegünstigung dargestellt, sagte der Risikomanager der KPMG, Michael Gewehr: "Klarer kann man gegen Paragraf 113 des Aktiengesetzes nicht verstoßen." Deshalb sei ganz klar gewesen, dass die Prüfungsgesellschaft massiv interveniert: "Wir haben gesagt: Bitte keine Auszahlung." Diese sei dann auch gestoppt worden. Später wurde die Prämie bei einer anderen Besetzung des Aufsichtsrates - ohne Funk - doch bewilligt.

Kempf räumte ein, die KPMG habe zunächst auch Bedenken gegen die Prämien-Beschlüsse geltend gemacht, die am 4. Februar 2000 unter der Beteiligung Ackermanns gefallen waren. Dies sei aber nur intern geschehen. Ackermann sei nicht informiert worden. Im Falle Funks hätten die Prüfer zu Recht Einwände erhoben.

Doch dieser Beschluss sei später ebenso wie weitere von der KPMG monierte formelle Mängel korrigiert worden. Die KPMG habe ihre Bedenken daraufhin immer weiter abschwächen müssen. Kempf am Ende des Prozesstages: "Der Berg von KPMG kreißte und eine Maus wurde geboren."

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