Mannesmann-Prozess Esser zuversichtlich, Ackermann schweigt
Düsseldorf - Die Angeklagten zogen um kurz vor 9 Uhr in den Saal des Düsselforfer Landgerichts ein, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann betrat den Saal einige Minuten später durch einen Seiteneingang: Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Ackermann, dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, Betriebsratschef Jürgen Ladberg und Manager Dietmar Droste wird Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen.
Auf die Frage, mit welchen Erwartungen er in den Prozess gehe, sagte Esser: "Nur mit den Besten." Funk äußerte sich ebenfalls positiv. Auf die Frage, ob er optimistisch sei, sagte er: "Ja, natürlich". Ackermann gab sich im Gegensatz zum ersten Prozess zurückhaltend: Heute verzichtete er auf das Victoryzeichen - und wollte sich vor Sitzungsbeginn nicht äußern. Der Ausgang des Prozesses könnte über die Zukunft von Ackermann als Chef von Deutschlands größter Bank entscheiden.Er hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung zurückzutreten.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, im Jahr 2000 die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone genutzt zu haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben. Vor der zehnten großen Wirtschaftsstrafkammer wird Richter Stefan Drees den Untreue-Fall verhandeln.
Der Bundesgerichtshof hatte im Dezember vergangenen Jahres die Freisprüche aus dem ersten Prozess aufgehoben. Die Begründung für die Freisprüche sei rechtsfehlerhaft, die Beweiswürdigung lückenhaft gewesen, kritisierte der Bundesgerichtshof damals. Insgesamt sind für die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses zunächst 26 Verhandlungstage angesetzt.
Mit einem Kaufpreis von 180 Milliarden Euro war die Mannesmann-Übernahme im Jahr 2000 die größte Fusion aller Zeiten.
tim/dpa/Reuters