AFFÄREN Mannesmann-Prozess im Frühsommer
Im Mammutverfahren um die Vorgänge bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone hat die Staatsanwaltschaft einen Teil der umfangreichen Vorwürfe abgetrennt. Es geht dabei um die Zahlung von rund 100 Millionen Mark an über 140 damalige Mannesmann-Manager. Mit den so genannten Retention-Boni sollten die Manager laut Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser nach der Übernahme durch Vodafone zum Verbleib im Konzern bewegt werden. Die Staatsanwälte vermuten, dass es sich bei diesen Zahlungen um eine Untreue handeln könnte. Der Vorgang sei jedoch so umfänglich, dass Einschätzungen von Sachkennern zufolge weitere Ermittlungen gegen die beiden Hauptverdächtigen, Esser und seinen Personalchef Dietmar Droste, nötig seien. Im Hauptverfahren wird die Staatsanwaltschaft Düsseldorf dagegen schon Anfang dieser Woche Anklage wegen Untreue im besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu erheben. Möglicherweise wird die zuständige Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf noch in diesem Monat über die Zulassung der knapp 600 Seiten starken Anklageschrift entscheiden. Dann könnte der Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und den ehemaligen Konzern-Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk im Frühsommer beginnen. Ex-Mannesmann-Chef Esser, sein Kollege Droste sowie Ex-Konzernbetriebsrat Jürgen Ladberg sollen ebenfalls auf der Anklagebank Platz nehmen. Nach der Neuaufteilung des Verfahrens geht die Anklage von einem Schaden zu Lasten der Mannesmann-Aktionäre in Höhe von rund 110 Millionen Mark aus. Die Summe setzt sich zusammen aus einem Sonderbonus von rund 50 Millionen Mark, der Esser und seinem Team zugebilligt wurde, und aus Abfindungszahlungen in Höhe von rund 60 Millionen Mark an Mannesmann-Pensionäre. Insgesamt wurden nach der Übernahme durch Vodafone rund 250 Millionen Mark Abfindungen und Prämien gezahlt. Für einen Teil dieser Zahlungen war der mit Ackermann, Zwickel, Funk und Ladberg besetzte Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten zuständig.