Mannesmann-Prozess Vodafone verzichtet auf Zivilklage
Berlin/Düsseldorf - Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone, der den Mannesmann-Konzern übernommen hatte, verzichtet nach Angaben der "Welt" auf Schadenersatzforderungen gegen die sechs früheren Manager und Aufsichtsräte des Mannesmann-Konzerns. "Das ist kein Thema. Wir sehen hier keinen Anhaltspunkt", wird ein Konzernsprecher zitiert.
Vodafone wäre der einzige mögliche Kläger, der Ansprüche aus den Verstößen der Angeklagten gegen das Aktienrecht geltend machen könnte. Die 14. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts hatte in ihrer Zwischenbilanz die Angeklagten vom Vorwurf der Untreue entlastet, stattdessen lediglich Verstöße gegen das Aktienrecht festgestellt.
Er hoffe, dass das Verfahren nun rasch zum Abschluss komme werde, sagte der Verteidiger des Ex-Mannesmann-Chefs Klaus Esser, Sven Thomas, am Donnerstag in Düsseldorf. Er bekräftigte, dass er für seinen Mandanten einen Freispruch erwarte. Die Dauer des Verfahrens hänge nun allein von der Staatsanwaltschaft ab, die bisher an ihrer Anklage festhält.
SdK-Vorstand: "Das ist kein gutes Ergebnis"
SPD-Fraktionsvize Michael Müller zeigte sich verärgert über diese Aussage und über die Aussicht auf Freispruch für die Angeklagten um Esser und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Wenn die Angeklagten tatsächlich alle frei gesprochen werden, halte ich das für eine Sauerei", zitierte ihn die "Berliner Zeitung".
Müller sagte weiter, die Angeklagten hätten einen "immensen Schaden" angerichtet. Sie hätten nicht nur dazu beigetragen, den Traditionskonzern Mannesmann zu beseitigen, sondern auch die Kluft innerhalb der Bevölkerung zu vergrößern. "Die Menschen sagen doch jetzt, die Kleinen hängt man, die Großen machen das Victory-Zeichen."
Überrascht zeigte sich der Zeitung zufolge auch das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Reinhild Keitel. "Ich kann diesen Prozessverlauf nicht nachvollziehen. Das ist kein gutes Ergebnis", zitiert sie die "Berliner Zeitung". Es sei unverständlich, dass "klare Verstöße gegen das geltende Recht nun offensichtlich ungesühnt bleiben."
Richterin: "Das bringt Zeitgewinn"
Auch Ackermanns Anwälte hatten schon in der Vergangenheit auf ein schnelles Ende des Prozesses gesetzt, um den Imageschaden für Deutschlands größte Bank zu minimieren und Ackermanns Job zu retten. Ackermanns Anwalt Eberhard Kempf kündigte für den kommenden Donnerstag eine Erklärung an.
Wegen der bei der über 180 Milliarden Euro teuren Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone Anfang 2000 geflossenen Millionen-Zahlungen verhandelt das Landgericht seit Ende Januar gegen sechs Manager und Gewerkschafter. Allein Esser hatte nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Telekom-Konzern gut 30 Millionen Euro erhalten. Neben Ackermann und Esser ist auch der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, angeklagt.
Koppenhöfer gab am Donnerstag bereits zu erkennen, dass sie rascher als bisher vorgehen will. Entgegen früheren Gepflogenheiten belehrte sie drei Zeugen vor ihrer Einvernahme in einem Zug, statt dies wie in der Vergangenheit einzeln zu tun. "Das bringt Zeitgewinn", sagte die Richterin.