Mannesmann-Prozess Zeugen belasten Ackermann
Düsseldorf - Nach den Gerüchten über eine Einstellung des Prozesses teilte Richterin Brigitte Koppenhöfer mit, sie werde zwar ein nicht-öffentliches Gespräch mit Verteidigern und Staatsanwälten zum weiteren Vorgehen führen. Dies bedeute jedoch keineswegs ein schnelles Ende des Verfahrens, sondern sei ein normales prozessuales Vorgehen.
Der frühere Mannesmann-Aufsichtsrat Manfred Köstler sagte vor dem Düsseldorfer Landgericht aus, der Aufsichtsrat habe nicht gewusst, woher die Zahlungen an den damaligen Konzernchef Esser stammten. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe lediglich erklärt, die Prämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro solle auf Veranlassung von Großaktionär Hutchison in Abstimmung mit Vodafone gezahlt werden.
Dass die Summe von Mannesmann aufgebracht werden müsse, sei nicht ausdrücklich gesagt worden, erklärte er weiter. Ein anderes Aufsichtsratsmitglied berichtete sogar mit Nachdruck, Ackermann habe gemeint, Vodafone finanziere die Prämie.
Köstler berichtete außerdem, dass Esser sich noch zwei Tage vor der Einigung mit Vodafone optimistisch gegeben habe. Obwohl viele Aktionäre zu diesem Zeitpunkt im Begriff gewesen seien, zu Vodafone überzulaufen, habe der Konzernchef im Aufsichtsrat seine Entschlossenheit betont, weiter zu kämpfen. "Wir müssen tun, was möglich ist. Wir haben noch den Joker AOL", habe der Manager gesagt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Esser vor, ungefähr zu diesem Zeitpunkt zusammen mit Aufsichtsratschef Joachim Funk den Beschluss gefasst zu haben, "sich auf Kosten der Mannesmann AG unrechtmäßig zu bereichern". Esser hatte die Verhandlungen mit dem US-Internetkonzern in der Nacht zum 2. Februar beendet und sich bereits am nächsten Tag mit Vodafone-Chef Chris Gent über die Einzelheiten der Übernahme geeinigt.
Esser, Funk und Ackermann müssen sich vor dem Düsseldorfer Landgericht zusammen mit Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten.
Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.