Marktbericht: Dax auf Rekordtief - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Marktbericht Dax auf Rekordtief

Hartnäckige Gerüchte über den Crash einer Großbank in Japan versetzen die Börsen in den freien Fall. Der Dax rutscht deutlich unter 5800 Punkte - charttechnisch gibt es kein Halten mehr. Der Nemax steht mehr als acht Prozent im Minus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax verlor fast fünf Prozent und stürzte unter 5700 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit November 1999. Alle 30 Werte notierten im Minus. Charttechniker hatten die 5800-Punkte-Grenze noch für eine Widerstandslinie gehalten. Sie ist zusammengebrochen.

Deutsche Bank, BMW und VW verloren mehr als sechs Prozent. SAP und T-Aktie, die am Morgen noch im Plus gestartet waren, gaben inzwischen mehr als 5 Prozent ab.

Japanische Großbank vor dem Aus?

Nach dem Einbruch der europäischen Autokonjunktur gerät der Finanzsektor immer stärker unter Druck. Angeblich soll die japanische Großbank Daiwa kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Dies sorgt für ein Kursgewitter rund um den Globus.

Nokia in der Krise, Neuer Markt im freien Fall

Auch in den USA stehen die Zeichen auf Sturm. Der Nasdaq Future steht 3,6 Prozent im Minus. Der Dow Jones droht, am Nachmittag unter 10.000 Punkten zu eröffnen. Im EuroStoxx 50 gibt es keinen einzigen Gewinner, und besonders Nokia und Alcatel geben stark nach. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Mobilfunkriese Nokia werde heute eine Gewinnwarnung herausgeben.

Die Verluste am Neuen Markt wachsen im Minutentakt. Die Indizes markieren immer neue Rekordtiefs, Unterstützungslinien gibt es nicht mehr. Der Nemax 50 fiel zuletzt um 8,3 Prozent auf 1637 Punkte. Der Nemax All Share hat butterweich die 1800 Punkte nach unten durchschlagen.

Händler sind ratlos. Noch mag niemand einschätzen, ob ein erwarteter Einbruch an den US-Märkten die Talfahrt weiter beschleunigen wird.

Auto- und Bankentitel besonders unter Druck

Die größten Verlierer inmitten des Kursgewitters sind Volkswagen, DaimlerChrysler, BMW und Deutsche Bank. Volkswagen leidet am stärksten unter dem Einbruch der Autokonjunktur in Europa: Die Konkurrenten DaimlerChrysler und BMW liegen mit ihren Absatzzahlen noch besser als die europäische Konkurrenz, sind aber auch stark unter Druck.

Die Deutsche Bank verlor mehr als sechs Prozent auf 81,40 Euro. Nach einer Studie von Goldman Sachs sind die Aussichten für das Investmentbanking schlecht. Nach dem Kursgewitter an den Börsen dürfte auch das Neuemissionsgeschäft nachlassen. Auch JP Morgan hat den Bankensektor heruntergestuft. Die HypoVereinsbank und die Commerzbank weiten ihre Verluste aus.

Auch BASF gerät trotz guter Zahlen in den Abwärtssog. BASF hat im Vorjahr zwar deutlich mehr Umsatz, aber einen geringeren Gewinn erzielt. Die Erwartungen der Analysten wurden dabei leicht übertroffen, und der Chemiekonzern will eine Rekorddividende zahlen. Anleger nehmen nach der guten Entwicklung der BASF-Aktie seit Jahresbeginn Gewinne mit.

Neuer Markt: Freier Fall

Zu den größten Verlierern am Neuen Markt zählen Intertainment und Emprise. Der Kurs von Emprise hatte sich bereits gestern halbiert, nachdem das Unternehmen desaströse Geschäftszahlen für 2000 bekannt gegeben hatte. Im Nemax 50 notieren alle Werte im Minus.

Tokio schwach

Die asiatische Leitbörse in Tokio hatte am Morgen trotz guter US-Vorgaben mit einem mageren Plus von 0,2 Prozent geschlossen. Damit blieb das Kursbarometer unter der Marke von 12.000, unter die der Nikkei am Vortag erstmals seit mehr als 16 Jahren gefallen war.

Euro zeitweise unter 91 Cent

Der Euro notiert schwächer und fiel zeitweise sogar unter 91 Cents. Bereits gestern hatte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar um mehr als einen Cent nachgegeben. Trotz der Schwäche an den US-Aktienmärkten bremsen Inflationsdaten und die schwache europäische Autokonjunktur die Erholung des Euro. In Deutschland ist die Teuerungsrate um auf 2,6 Prozent gestiegen. Am Morgen notierte der Euro bei 0,918 Dollar.