Marktöffnung Post-Chef plädiert für Mindestlöhne
Chemnitz - Der Lohnnachteil der Deutschen Post bei der Briefzustellung werde gegenwärtig noch mit einer zwei- bis dreifach höheren Produktivität ausgeglichen, sagte Zumwinkel der Chemnitzer "Freien Presse". Wenn sich das nicht mehr garantieren lasse, müssten die Löhne bei den Wettwerbern steigen.
Zumwinkel schlug dazu einen branchenorientierten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde vor. Damit solle die Wettbewerbsverzerrung abgemildert werden. Bei der europäischen Marktöffnung sei das dringend erforderlich. Dabei verwies Zumwinkel besonders auf die polnischen Wettbewerber, die in Ostdeutschland mit Billiglöhnen auf den Markt drängten. "Ab 2008 sollten die Tarifpartner einen Mindestlohn vereinbaren", betonte Zumwinkel.
Zugleich kündigte der Postchef an, dass die Dienstleistungen in den Filialen mit der Öffnung des Briefmarktes verringert würden. Weniger gefragte Leistungen wie das Verschicken von Nachnahmesendungen ins Ausland seien dann nicht mehr überall möglich. Auch einen Arbeitsplatzbau in fünfstelliger Größenordnung halte er für eine wahrscheinliche Folge der Marktöffnung.
Darüber hinaus forderte Zumwinkel Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, während der deutschen EU-Präsidentschaft den zeitlichen Rahmen für die Liberalisierung des europäischen Postmarktes festzulegen. Ansonsten käme sein Unternehmen nicht umhin, die Pläne zur Marktöffnung noch zu ändern. Bedingung sei eine Liberalisierung im Gleichschritt.
Zudem warnte Zumwinkel, europäische Nachbarländer könnten Hürden errichteten, die es ausländischen Konkurrenten unmöglich machten, auf die jeweiligen Märkte zu gelangen. Eine solche "Quasi-Liberalisierung" sei nicht zu akzeptieren.
mik/ddp