Marktreaktion Ölpreis sinkt unter 24 Dollar
London - Der Ölpreis ist am Montag erstmals seit Mitte November 2002 wieder unter die Marke von 24 US-Dollar gerutscht. Gegen 8.45 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 23,90 Dollar und damit über drei Prozent weniger als am Freitag.
Berichte über den Einmarsch von US-Truppenverbänden und Panzern in das Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad haben nach Auffassung von Händlern Erwartungen an ein schnelles Kriegsende gestärkt. "Der kriegsbedingte Preisaufschlag verschwindet schnell", sagte eine Analystin. In den nächsten Tagen sei ein weiterer Rückgang des Ölpreises möglich.
"Es gibt kaum Zweifel daran, dass der ungünstige Einfluss des Krieges auf die Weltwirtschaft jeden Tag ein bisschen mehr abnimmt", sagte der Chefvolkswirt der Bank HSBC, John Edwards, in Sydney. Andere Analysten warnten jedoch vor nur kurzfristigen Effekten für den Markt und verwiesen auf die tief verwurzelten wirtschaftlichen Probleme in den USA.
Die in vielen Schreckensszenarien heraufbeschworenen verheerenden Öl-Brände im Irak sind ausgeblieben. Nur eine Hand voll der mehr als 1.100 irakischen Ölquellen brannten bislang, und die meisten Feuer sind von kuwaitischen und amerikanischen Spezialisten bereits unter Kontrolle gebracht worden. Dennoch dürfte der große Geldsegen nach der Wiederaufnahme der irakischen Produktion noch lange auf sich warten lassen.
In Rumaila, wo rund 60 Prozent des irakischen Öls gefördert wurden, sei vorerst nicht an ein Anfahren der Produktion zu denken, berichtete Brian Burridge, Kommandeur der britischen Truppen im Golf, die das Gebiet im Süden des Landes eingenommen hatten. "Die Felder sind in fürchterlichem Zustand. Es wird mindestens drei Monate dauern, bevor dort wieder gepumpt werden kann."