Maroder Handelskonzern: Metro-Chef bezweifelt Arcandors Systemrelevanz - DER SPIEGEL
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Maroder Handelskonzern Metro-Chef bezweifelt Arcandors Systemrelevanz

Eckhard Cordes erhöht den Druck auf Arcandor: Der Metro-Chef warnt vor Bürgschaften für den angeschlagenen Wettbewerber. Stattdessen preist er die Fusion mit der zu Metro gehörenden Warenhauskette Kaufhof. Finanzminister Steinbrück schließt Staatshilfen für Arcandor dagegen nicht aus.
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Hamburg/München - Metro-Chef Eckhard Cordes rügt mögliche Staatshilfen für den Wettbewerber Arcandor  : Das Unternehmen sei nicht "systemrelevant", sagte Cordes am Dienstagabend dem TV-Sender N24. Damit erfülle der Essener Konzern schon eine der Voraussetzungen für den Erhalt von Staatsbürgschaften nicht. Zudem hätten Finanzhilfen einen wettbewerbsverzerrenden Einfluss.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schließt dagegen staatliche Hilfen für Arcandor nicht aus. In der ARD sagte er am Mittwoch, die zuständigen Gremien sollten über das "Für und Wider sehr solide" reden und abwiegen. Er wandte sich gegen Äußerungen des CDU-Wirtschaftsexperten Laurenz Meyer, der sich strikt gegen Hilfen für Arcandor ausgesprochen hatte. Steinbrück sagte: "Ich finde solche Vorab-Festlegungen sträflich. Bei Arcandor hängen mehr Arbeitsplätze dran als direkt bei Opel. Wir reden über 50.000 Menschen, die davon betroffen sind."

Metro-Chef Cordes bekräftigte erneut seinen Wunsch nach einer Fusion der beiden Warenhausgruppen Karstadt und Kaufhof. Kaufhof gehört zu Metro  , Karstadt zum Arcandor-Konzern, der nach Staatshilfen verlangt, da sonst die Insolvenz drohe. Metro halte einen Zusammenschluss für sinnvoll, sagte Cordes. Nach einer "Optimierung" der Standortstrukturen und der Vermeidung von Dopplungen würde schließlich ein hochprofitables Geschäft übrig bleiben.

Durch die damit verbundene Schließung von Warenhäusern würden sich Cordes zufolge aller Voraussicht nach Entlassungen nicht vermeiden lassen. "Wir werden aber niemanden rausschmeißen", sagte der Konzernchef. Wenn Personal abgebaut werden müsste, dann werde dies sozialverträglich erfolgen. Dies habe für die anderen Beschäftigten aber den Vorteil, dass ihre Arbeitsplätze sicherer würden.

Auch einer möglichen Pleite in der Branche kann Cordes Positives abgewinnen. Wenn ein Unternehmen in die Insolvenz gehe, verschwinde es ja nicht automatisch vom Markt, sagte er. Es finde nur ein Eigentümerwechsel statt. Wenn der Insolvenzverwalter einen guten Job mache, würde der überlebensfähige Teil des Geschäfts fortgesetzt.

Ver.di will für Arcandor demonstrieren

Auch Kaufhof-Chef Lovro Mandac forciert die Bemühungen um eine Übernahme der Arcandor-Tochter Karstadt. "Die Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen sind sehr viel geringer als immer wieder behauptet wird", sagte Mandac der "Süddeutschen Zeitung". Die Mehrheit der Karstadt-Standorte und Arbeitsplätze solle erhalten werden, frei werdende Standorte könnten zudem von Metro weitergenutzt werden. "Ich könnte mir vorstellen, dass Media Markt und Saturn Interesse an Innenstadtlagen haben. Denkbar ist auch, dass unsere Sporthäuser Teile der Flächen nutzen", sagte der Kaufhof-Chef.

Mandac attackierte ebenfalls mögliche Bürgschaften für Arcandor. "Es gibt eine klare gesetzliche Regelung: Unternehmen erhalten nur dann Staatshilfen, wenn sie nach dem 1. Juli 2008 im Gefolge der Finanzkrise in Schieflage geraten sind. Das ist bei Arcandor nicht der Fall", sagte der Manager. Er kritisierte auch, dass die Gewerkschaft Ver.di sich für Staatshilfen einsetze. "Wenn Arcandor jetzt die Zeit knapp wird, kann das nicht uns angelastet werden", sagte Mandac.

Ver.di hat die Arcandor-Mitarbeiter für Mittwoch zu einer Demonstration vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin aufgerufen. Erwartet werden rund 5000 Beschäftigte aus ganz Deutschland. Ziel ist es nach Angaben von Arbeitnehmervertretern, den politisch Verantwortlichen deutlich zu machen, dass die von Arcandor beantragten Staatsbürgschaften unverzichtbar seien für den Erhalt der Arbeitsplätze.

Möglicherweise aber gelingt Arcandor die Rettung auch ohne Staatsbürgschaft. So berichtet das "Wall Street Journal" über Belastungen für die zu Goldman Sachs gehörenden Whitehall Funds durch eine mögliche Insolvenz des Konzerns. Whitehall, führend in einem Konsortium, das 51 Prozent an einem Portfolio aus 85 Karstadt-Warenhäusern halte, sei entsprechend sehr an der Unterstützung von Arcandor gelegen.

Es fänden bereits Verhandlungen über entsprechende Hilfen statt, hieß es weiter. Der "Platow-Brief" meldet zudem unter Berufung auf Bankenkreise, dass die Gläubiger Royal Bank of Scotland   und Commerzbank   vor der Verlängerung ihrer Kreditlinien stünden - auch ohne Staatsgarantie.

suc/Dow Jones/dpa-AFX/ddp/dpa