Maroder Handelsriese Arcandor-Töchter melden Insolvenz an
Essen - Die betroffenen Unternehmen hatten nur einen Auftraggeber: Arcandor. Die Konsequenz war also zwangsläufig - nach den in der vergangenen Woche gestellten Insolvenzanträgen für die Hauptgesellschaft Arcandor sowie für Karstadt, Quelle und die Versandhandels-Dachgesellschaft Primondo bleiben auch die Tochtergesellschaften auf der Strecke.
Karstadt-Filiale: Aus für Logistik-Center
Foto: DPADie Insolvenzanträge beim Amtsgericht Essen betreffen unter anderem die Primondo Logistik mit 1300 Beschäftigten sowie das Quelle Communication Center in Magdeburg mit 1000 und in Berlin mit 1200 Beschäftigten. "Betroffen sind maßgeblich Gesellschaften, die Dienstleistungen oder andere Leistungen nahezu ausschließlich für die bereits insolventen Kernunternehmen erbringen", erklärte das Unternehmen. Damit steigt die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze im gesamten Unternehmen auf mehr als 50.000.
Unterdessen hat die Bank Sal. Oppenheim ihre 3,7 Prozent direkt an Arcandor gehaltenen Anteile verkauft. Über eine Industrieholding halten die Gesellschafter von Sal. Oppenheim aber noch knapp 25 Prozent an dem pleitegegangenen Touristik- und Handelskonzern. Ob die Holding diese Anteile verkauft oder behält, wollte der persönlich haftende Gesellschafter der Bank, Dieter Pfundt, nicht sagen.
Eine Person aus dem Umfeld der Bank sagte, ob das Institut und seine Eigentümer ihre Anteile behielten und sich an einer möglichen Rekapitalisierung von Arcandor beteiligten, hänge vom Ergebnis der Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters ab. Die Entscheidung werde in etwa drei Monaten fallen, wenn der Sanierungsplan vorliege. Sie hänge davon ab, ob es nach dem Plan eine langfristige Perspektive gebe oder ob Arcandor keine Zukunft habe.
Laut "SZ" hält es die Bank aber nur noch "theoretisch" für möglich, dass der Konzern insgesamt erhalten bleibe. "Wir sind gescheitert", zitiert das Blatt einen Gesprächspartner aus dem Umfeld der Bank.
Ganz allein steht Arcandor dennoch nicht da: Denn anders als Sal. Oppenheim hat sich Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz am Wochenende klar zum Arcandor-Engagement bekannt. Ihr Ehemann Leo Herl, der Schickedanz im Arcandor-Aufsichtsrat vertritt, versicherte in einem Zeitungsinterview, das Aktienpaket werde nicht verkauft. Schickedanz ist mit 26 Prozent Anteilen zweitgrößter Aktionär des Essener Konzerns.