Martin Shkreli: Alles nur ein "soziales Experiment" - DER SPIEGEL
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Festgenommener Pharma-Manager Shkreli "Ein bisschen Theater"

Martin Shkreli verdiente Millionen als Hedgefonds- und Pharma-Manager - und spottete im Internet über seine Kritiker. Nachdem der 32-Jährige festgenommen wurde, erklärt er das Ganze nun zum "sozialen Experiment".
Shkreli in der vergangenen Woche: "Eine Person zusammenschlagen und sich dann die Gründe dafür ausdenken"
Shkreli in der vergangenen Woche: "Eine Person zusammenschlagen und sich dann die Gründe dafür ausdenken"

Shkreli in der vergangenen Woche: "Eine Person zusammenschlagen und sich dann die Gründe dafür ausdenken"

Foto: Andrew Gombert / dpa
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Martin Shkreli ist nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannt. Mit großmäuligen Sprüchen hat sich der ehemalige Pharma- und Hedgefonds-Manager den inoffiziellen Titel des "meistgehassten Mannes" im Internet verdient. Nachdem er vergangene Woche festgenommen wurde und als Chef des Unternehmens Turing Pharmaceuticals zurücktreten musste, schlägt Shkreli nun wieder laute Töne an: Er sieht sich als Opfer der amerikanischen Behörden.

Die Regierung habe nach der Devise agiert, man müsse "irgendetwas finden, um ihn zu stoppen", sagte Shkreli dem "Wall Street Journal". "Eine Person zusammenschlagen und sich dann die Gründe dafür ausdenken - ich hatte gehofft, die Regierung würde diesen Ansatz nicht wählen."

Der erst 32-jährige Shkreli war am vergangenen Donnerstag festgenommen und später gegen Kaution freigelassen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor. Er soll als ehemaliger Chef der Pharmafirma Retrophin Millionen Dollar abgezweigt haben, um Verluste bei seinem Hedgefonds auszugleichen. Die Investoren soll er getäuscht haben.

Shkreli weist die Vorwürfe zurück. Er glaubt vielmehr, dass die Behörden ihn wegen der öffentlichen Empörung im Visier haben, die er in diesem Sommer als Chef der Firma Turing Pharmaceuticals ausgelöst hatte.

Shkreli hatte sich darauf spezialisiert, die Patente günstiger Medikamente zu kaufen und dann ihren Preis drastisch zu erhöhen. Im September sorgte er für Aufsehen, als seine Firma Turing Pharmaceuticals nach Erwerb des Medikaments Daraprim den Preis von 13,50 Dollar auf 750 Dollar pro Tablette angehoben hatte. Daraprim wird gegen Malaria und in der Aids-Behandlung eingesetzt und ist für viele Menschen lebenswichtig.

"Das sieht nach einer großen Ungerechtigkeit aus"

Alle Kritik daran ließ Shkreli großspurig abperlen. Einen Journalisten, der von ihm den Grund für den Preisanstieg wissen wollte, nannte er einen Schwachkopf ("moron"). Kritische Tweets beantwortet er mit einem Stinkefinger-Zitat aus einem Lied des US-Rappers Eminem. Auch als die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ihn zu überreden versuchte, den Preis für Daraprim wieder zu senken, antwortete Shkreli per Twitter. "lol", schrieb er dort, kurz für "laughing out loud", lautes Gelächter also.

Mittlerweile gibt sich Shkreli etwas weniger aggressiv. Sein auffälliges und extrovertiertes Verhalten sei auch "ein bisschen Theater" gewesen, sagte er dem "Wall Street Journal". "Was tun Sie, wenn Sie die Aufmerksamkeit von Millionen von Menschen haben? Ich dachte mir, es wäre spaßig, damit ein bisschen zu experimentieren." Er sei verhaftet worden wegen eines "sozialen Experiments und weil er die Leute im Internet provoziert habe", sagte Shkreli. "Das sieht nach einer großen Ungerechtigkeit aus."

Shkreli, der einstige Wunderknabe, fühlt sich missverstanden. "Die meisten Menschen kennen den wirklichen Martin Shkreli nicht", sagte er. "Ich glaube, es wäre sinnvoll, ihnen den zu zeigen."

Wie es aussieht, muss Shkreli in den kommenden Wochen und Monaten noch einiges erklären. Turing Pharmaceuticals teilte am Freitag mit, Shkreli sei als Unternehmenschef zurückgetreten und werde vorerst von Ron Tilles ersetzt. Der neue Chef ließ umgehend wissen, dass sich das Unternehmen verpflichtet fühle, allen Patienten den Erwerb von Daraprim zu ermöglichen.

stk/AFP/dpa